Warum du deinen Hund unbedingt anleinen sollst

Hundebegegnungen sind manchmal schwierig - angeleint oftmals noch mehr, zumindest wenn eine Partei dabei unangeleint ist.

Es gibt sie immer wieder die Streitigkeiten zweier aufeinandertreffender Hundebesitzer. Dabei ist die Sachlage klar - ist einer der beiden Hunde angeleint - sollte der andere auch angeleint werden. Da hilft auch kein freundliches Nachfragen, ob das ein Rüde ist oder ob die beiden Hunde nicht miteinander spielen dürften. Denn offensichtlich dürfen sie das noch nicht.

Die Regel lautet: ist einer angeleint - leine auch du deinen Hund an.


... sonst könnte es teuer werden. Nun, jetzt mal ganz sachlich und ganz von Anfang an. Warum fällt es manchen Menschen schwer ihre Hunde bei Hundebegegnungen zeitnah anzuleinen?

  • Sie bemerken den Entgegenkommenden gar nicht
  • Sie wollen dem Hund Spaß gönnen
  • Sie wollen sich nicht blamieren (der Hund kommt nicht auf rufen)
  • Sie denken Hundebegegnungen gehören zum Spaziergang
  • Das ist ein öffentlicher Park - selbst schuld
  • Ich gehe hier immer ich habe das Recht frei laufen zu lassen

Tja, welches Argument würde nun diese vielen wirklich guten Argumente toppen? Schlichtweg keines.

Ich gehe sogar einen Schritt weiter und behaupte: Menschen, die bei Hundebegegnungen ihre Hunde nicht anleinen, leinen auch nicht an wenn Kinder, Jogger oder andere Menschen entgegenkommen. Und genau hier beginnt die Krux, das Problem. Hier ein Beispiel von neulich.

 

Situation: Training und was dann passierte

Stell dir folgendes Szenario vor. ich trainiere gerne mit meinem Hund. In dem folgendem Beispiel waren wir sogar zu zweit bei einer kleinen Nachmittagstrainingseinheit mit unseren beiden Junghunden. 15 und 17 Monate. Wir stehen, die Hunde bei fuss sitzend, an einem Hang und warten. Wir warten oft so in der Gegend rumstehend. Die Dummys waren bereits ausgelegt und wir wollten unsere Jungspunde nicht gleich schicken und so diskutierten wir, fröhlich im Feld stehend, wie die Trainingseinheit sich entwickeln könnte. Und jetzt passierte es. Wir hören hinter uns lautes Hundegebell - ich drehe mich um und zwei (auf den ersten Blick Schäferhunde) wuchten sich bellend den Hang hoch - von dem Besitzer keine Spur.

Ganz ehrlich, sowas macht einfach Angst


Zwei Hunde, die kläffend und ungebremst den Hang hoch hechten sind im Jagdtrieb - ich bin froh, dass ich keinen Hasen dabei hatte - aber meine Hunde will ich in so einem Moment auch nicht freigeben - nach dem Motto: "die regeln das schon unter sich!" Meine Hunde stehen beim Training die meiste Zeit unter einem Kommando und sie freizugeben wenn zwei Hunde zu uns gelaufen kommen - möchte ich nicht - genau das muss mein Hund in jeder Prüfung später beherrschen, egal ob Reh, Hase, Hund oder Fasan - egal was an uns vorbei fetzt - Alles hört auf mein Kommando ? (gut zumindest der Hund)

Lange Rede kurzer Sinn - wir greifen beide langsam nach unseren Leinen und drehen uns den kläffenden Hunden entgegen. Und siehe da, unten am Hang taucht - wie aus dem Nichts - eine Frau auf - Sie brüllt nach oben: "die wollen nur spielen!" Ich denke: "bist du sicher?" Zu rufen tue ich ihr: "aber unsere nicht - bitte leinen sie ihre Hunde an." Was jetzt kommt ist unsagbar - unberschreiblich - und für mich einfach nicht nachzuvollziehen. Sie brüllt hoch "warum dürfen die denn nicht spielen?" Ich sage: Wir trainieren gerade - bitte rufen sie ihre Hunde zurück. Der erste Schock, es könnte sich um Schäferhunde handeln, hatte sich mittlerweile gelegt. Es waren Mischlingshunde, mittlere Größe. Ein Rüde und eine Hündin. Der Rüde dreht 20m vor uns ab, saust zurück und lässt sich anleinen. Kira, die Hündin nicht. Sie hat sich vorgenommen beide Junghunde aus der Reserve zu locken. Die Besitzerin brüllt seit 5 Minuten "KIRA" in allen Varianten und versucht dabei den Hang zu erklimmen.

Wir stehen immer noch mit unseren angeleinten Jungdhunden bei fuss - die Kira wahrscheinlich mittlerweile in unser Training gedanklich integriert hatten. Sie waren nach der ersten Aufgeregtheit entspannt. Das Frauli von Frau Kira war jetzt 30m vor uns - sehr außer Atem - aber für eine Beschimpfung reichte es noch und auch Kira kam dabei nicht gut weg. Ich schüttle den Kopf und sage: "nichts passiert, aber heute dürfen sie nicht spielen - wir sind im Training." Frau Kira beleidigt uns weiter wie in einem Rausch - ich überlege, ob ihr die Höhenluft nicht gut tut?

Wenn was schiefgeht: entschuldigen und gut ist es.


Ich sage:" ich weiß gar nicht, warum sie sich so aufrgegen? "(annehmen tue ich, dass es ihr peinlich ist den Hund persönlich abholen zu müssen und ärgern tut sie sich, dass sich ihre Hunde nicht austoben können mit unseren) und was Menschen dann gerne tun - sie wählen eine schlechte Strategie: sie entschuldigen sich nicht - sondern sie reden sich in Rage - alle anderen sind schuld an dem Dilema (fragt sich, um welches Dilema es sich hier handelt?) Frau Kira hat Kira endlich erreicht und leint sie wütend an - zwischendurch behauptet sie noch, ich hätte ihren Hund getreten - Gott bewahre, warum sollte ich das tun? Ich sage noch einmal es ist nichts passiert - alles gut. Aber wir haben verschissen - Frau Kira mag uns nicht und schimpft weiter - sie hat sich nun wieder 30 m von uns entfernt und droht, die Hunde unten wieder abzuleinen und wir hätten halt dann Pech. Ja, mag sein. Ich werfe einen Blick auf unsere Jungrüden und sage: "hatten wir nicht gerade noch überlegt wohin sich unsere Trainingseinheit heute hin entwickeln könnte?" Na bitte.

 

Wir leben in einer Zeit in der das Image des Hundes am Boden liegt

Zurecht? Solche und ähnliche Beispiele zeigen wir haben so einiges nicht mehr im Griff - oder ist das nur ein Zeichen des puren Egoismusses. Ich und  meins, das ist die Reihenfolge nach der viele ihre Ansprüche anmelden. Und wer erzieht den Hund? Unsere Hunde sind so anpassungsfähig, dass sie sogar unser Arsch-Verhalten übernehmen würden. Ein "wir oder du" findet nur noch selten statt. Natürlich lange nicht bei allen - aber und jetzt kommt der Punkt: nicht wir, die wir diese einfache Regel einhalten wollen, werden gesehen, sondern jene, die das eben nicht tun. Denn, und so läuft unsere Wahrnehmung ab - die, die sich daneben benehmen, schaffen es in die Zeitung, in die Nachrichten.  Über den Äther flimmern die Trumps, Kim Jon und die Dschungelturner.

Me first


Und mit dieser Art der Berichterstattung werden auch nur selten gute Dinge über Hunde erzählt. Selbst bei meinen Jäger Freunden geistern die grausamsten Jagdszenarien irgendwelcher hetzender Hunde seit Jahren über den Stammtisch. Bleibt unbeachtet, dass keiner der Stammtischbrüder seinen Hund annährend im Griff hat - tja, alte Schule eben. Wann hast du das letzte mal einen Film mit Hund gesehen? Der muss keine Hauptrolle haben - aber sobald sich ein Hund dem Bildschirm nähert, bellt oder jault es. Warum, weiß ich nicht - weil meine Hunde bellen nicht einfach so und jaulen auch nicht - was Besucher bei mir immer wieder fasziniert feststellen wie leise meine Hunde doch sind, gähn.

Das Bild des Hundes in der Öffentlichkeit wird also nicht nur durch uns Hundehalter geprägt, sondern vorallem durch die Medien und die verdienen bekanntermaßen ihr Geld mit schlechten Storys. Aus der Traum vom Hunde-Helden.

 

Sei besonders - sei einzigartig.

Die Welt hat sich zudem aufgemacht, besonders zu sein. Einzigartigkeit ist ein hohes Gut geworden. Pircing, Tattoos, Mode und sogar besondere Rassehunde verhelfen uns zu einem coolen Image. Da liegt es doch fast schon Nahe den eigenen Hund zu sich zu rufen und Gentleman-like anzuleinen, wenn uns jemand entgegenkommt - sei es mit Hund oder ohne. Und dabei richtig special zu sein. Und weil wir Hundebesitzer gerne quatschen, könnte man jetzt fragen ob ableinen und ein paar Meter gemeinsam gehen eine Option wäre.

Stell dir vor, wie viele tolle Menschen du kennenlernen könntest - ist das nicht völlig abgefahren? Oder wenn du Hilfe bräuchtest: das ist der ideale Weg um zu erfahren wen du brauchst - sprechen mit anderen Menschen. Etwas in Erfahrung bringen und das nur, weil du deinen Hund angeleint hast. Ich bin so geflasht gerade. Facebook gönnte mir jetzt sicher einen Daumen hoch, grins.

Freak me out.

Die Welt ist schön. Und wir Hundebesitzer können ABSOLUT dazu beitragen, dass sich noch mehr Menschen in unserer Nähe wohlfühlen - indem wir unsere Einzigartigkeit mit unserem Hund beweisen. Einfach mal anleinen - und dabei glücklich sein.

Ich mag dich und deinen Hund, es grüßt dich Claudia von keinköter.de

Ich bin kein Köter

claudia von keinkoeter

hey ich bin's, Claudia. Die allermeisten Artikel, die du hier lesen kannst, sind von mir. Und alle Schreib- und Kommafehler auch.

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