Störendes Lautgeben in der Dummyarbeit, woher kommt's?

Die Starterzahlen auf Workingtesten scheinen enorm. Aber bei alleine über 12.000 Mitgliedern im DRC dann doch wieder gering. Wo, frage ich mich, sind all die Hunde, die es nicht hierher geschafft haben?

Ich meine die Hunde, die fiepen und einspringen? Die Hunde, die Krawallmacher sind oder zu Dummy-Junkies mutierten. Man spricht über den Hund auf dem 1. Platz und rühmt sich dessen Trainer zu sein... Das erinnert mich an einen Buchtitel von Konsalik: "Die im Dunkeln sieht man nicht..." In diesem Artikel geht es um jene Hunde und Hundeführer, die es nicht, zu keinem WT geschafft haben, weil der Hund zum Beispiel winselt oder störende Laute von sich gibt.

Irgendwo in Deutschland an einem Apportier-Wochenende lerne ich Jamie kennen. Jamie ist zwei Jahre alt. Ein Labrador Retriever aus Arbeitslinie, wie der stolze Besitzer mir erzählt. Zu übersehen ist das nicht. Der Hund ist schlank und von den Ohren bis zu den Zehen extrem bemuskelt. Jamie, der Arbeitslinien Labrador sitzt neben seinem Besitzer und ist... sichtlich nervös. Schade. Denn Jamie wurde so nicht geboren.

Wie sieht das aus, wenn ein Hund nervös ist?

Jamies Körper ist angespannt. Seine Muskeln sind verhärtet. Bei genauerer Betrachtung sieht man seinen Körper vibrieren. Legte man seine Hand auf seinen Körper spürte man das Beben in ihm. Jamie will mit seinen Vorderläufen tippeln - weiß aber, dass er das nicht darf ... so hechelt er stark, um den Druck irgendwie aus seinem Körper heraus zu bekommen. Ab und zu schüttelt er den Kopf und hin und wieder entfleucht ihm dabei ein Fiepen. Sein Blick ist starr, die Gesichtszüge sind angespannt.

Nichts davon kann man in der Dummyarbeit gebrauchen. Der Retriever arbeitet nach dem Schuss. Davor hat er still zu sein und sich der Situation anzupassen. Das geht aber nur, wenn er dies aushalten kann. Jetzt kann man sich die Frage stellen, ob man dieses wunderbare Verhalten (still sein und nach dem Schuss arbeiten) automatisch beim Kauf eines Retrievers dazu bekommt? Und die Antwort lautet: wenn die Zucht darauf ausgerichtet war, eher - (wer mit einer fiepsenden Hündin züchtet, nimmt in Kauf, dass dieses Verhalten weiter vererbt wird) Dazu kommt: In den letzten Jahren wurde vermehrt auf Geschwindigkeit gezüchtet. Nicht die entspanntesten Hunde kamen in die Zucht, sondern oftmals die schnellsten... die, die oft gewonnen hatten. Ein Fehler?

Diese Frage zu beantworten ist mühselig, da die Antwort menschlichen Emotionen unterstellt ist. Eine Zuchthündin zu etablieren, ist keine große Sache mehr. Und wer findet seinen Hund schon doof? Das heißt, die Zucht quillt über mit Hunden, die da eventuell nichts zu suchen hätten - wäre da nicht das Gegenargument mit dem immmer enger werdenden Blut- und Genpool. Mist. Zucht setzt sich also nicht nur aus Zucht zusammen, sondern aus viel mehr Faktoren. 

Wie fängt fiebsen oder nervös sein an und wer hat Schuld an dem Ganzen?

Tja, wer ist der Schuldige? Der Trainer? Die Zucht? Der Hundebesitzer? Der Hund selbst. Zusammengefasst resultiert Whining oder fiebsen fast immer aus einer Erwartungshaltung (davon ausgehend, dass der Hund gesund ist und keine Schmerzen hat). Du kannst auch fehlende oder zu niedrige Frustrationstoleranz dazu sagen. Fakt ist auch, dass meist viele Faktoren dazu geführt haben - das heißt einen alleinigen Schuldigen gibt es nicht - es gibt aber einen, der es ertragen muss: der Hund und sein Besitzer.

Diese 3 Faktoren spielen beim fiepsen eine Rolle:

  • Vererbung, Zucht, die ersten 8 Wochen (der Züchter)
  • Erziehung, ab der 8 Woche, (der Besitzer)
  • Training (der Trainer)

Wie sieht Jammern aus, wenn Zucht ein Faktor ist:

Der Welpe neigt stark zum fiebsen und weinen von Anfang an. Sobald ihm langweilig wird oder die Situation für ihn nicht passabel ist, fängt er an zu jammern. Im allerschlimmsten Fall reagiert der Züchter auf das Jammern noch - dann etabliert sich das Jammern bereits in der jüngsten Phase des Hundes - er lernt jetzt schon jammern hilft weiter.

Wie sieht Jammern aus, wenn Erziehung ein Faktor ist:

Dem Hund wird jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Er dirigiert wann, wo, was stattfindet. Werden seine Wünsche nicht schnell genug erfüllt, beginnt er zu jammern.

Wie sieht Jammern aus, wenn Training ein Faktor ist:

Der Hund ist im Training überfordert, sei es durch die anderen Hunde (bis dato hat er nur alleine traininert) oder durch zu schwere Aufgaben.

Ein wenig ausgenommen aus der klaren Liste des Jammerns ist der letzte Punkt, der Trainer. Ein Hund kann durch falsches Training zum Jammerer werden - das Verhalten kann aber (durch falsche Erziehung) auch schon vorher dagewesen sein und dann im Training zu einem neuen Höhepunkt gelangen. Beim Punkt Trainer ist es jetzt wichtig, wie dieser reagiert und was er empfiehlt.

Nehmen wir Fall A.) Jamie kommt in die Dummy-Junghundegruppe. Er ist ein vorbildlicher Labrador. Mit jeder Menge will to please ausgestattet, bietet er ein schnelles Voranschreiten im Training geradezu an. Das ist der Moment in dem der Besitzer halt schreien müsste. Doch der verfügt nicht über genügend Wissen um auch nur erahnen zu können, ob sein Hund das wirklich packt. Genaugenommen zieht sogar jeder Trainer seinen 50:50 Joker aus der Tasche weil er nicht vorhersagen kann, ob der junge Hund in einem Jahr nicht weg vom Fenster ist... Ähm hallo - aber der ist doch Trainer.

Was ist ein Trainer und was macht gutes Training aus?

In deutschen Vereinen kann sich jeder Trainer nennen, der einen Hund hat (oder auch nicht). Hat man ein Gewerbe angemeldet, muss man seit 2014 den §11 nachweisen. Hier weist der Trainer mittels einer praktischen und einer theoretischen Prüfung nach, dass er in der Lage ist Hunde für Dritte auszubilden. Tasächlich ist dieser Nachweis jedoch mit Vorsicht zu betrachten. Denn Hunde- und Haltertraining braucht vorallem eines: Erfahrung. In meiner Vorstellung braucht ein guter Hundetrainer folgende Fähigkeiten:

  1. Die Lust Hunde und Besitzer kennenzulernen.
  2. Die Lust zu lernen und sich stetig weiterzubilden.
  3. Viel Erfahrung mit Mensch und Hund.
  4. Jede Menge Erfahrung in dem Fach, das er anbietet
  5. Eine soziale Einstellung zu beiden - ein Trainer sollte Menschen und Hunde mögen
  6. Authentisch

 

Es gibt immer noch Hundebesitzer, die glauben, dass man einen Hund ein bisschen erziehen kann.

 

Wenn du deinen Trainer finden möchtest, dann schau dir seine Hunde an. Ich kenne Trainer, die bilden andere in den obersten Klassen der Dummyarbeit aus und haben ihre eigenen Hund dort noch nicht hingebracht. Oder andere bringen ihre Hunde mit seltsamen Mitteln dorthin und geben dann entweider diese Tipps oder ganz andere weiter...

Was macht gutes Training aus? Gutes Training ist für mich: sich Zeit nehmen und haben. Ein langsamer Aufbau - die Aufgaben niveauvoll, aber nicht überzogen. Immer wieder erklären: warum, wieso, weshalb. Hund und Halter führen innerhalb des Trainings. Viel Ruhe vermitteln, gepaart mit Entspannt- und Klarheit. Emotion und Ruhe liegen nah beieinander.

Jammern als natürliche Kommunikation

Die Frage, die sich stellt ist, ob man den Welpen am besten gleich zurück zum Züchter bringen sollte, sobald er das erste Mal laut ist? Und die Antwort ist natürlich: nein. Im Gegenteil. Denn die Wahrheit ist: Jammern ist auch eine Kommunikationsmöglichkeit. Eine, die der Welpe oftmals nicht erst erlernen muss, er trägt sie in sich - ob er von ihr Gebrauch machen wird, bleibt abzuwarten. Nun passiert es eben doch: dein Welpe jammert (könnte ich mir einen Zeitpunkt aussuchen an dem mein Welpe ein Jammern losläßt, dann wünschte ich mir die 9 Woche.) Jetzt stellt sich die Frage was tun? Und in den letzten Jahren habe ich genau zu diesem Thema alle möglichen Thesen gehört:

  • dem Welpen sofort beim ersten Jammern eine knallen
  • packen, schütteln und anschreien
  • etwas nach ihm werfen oder mit Wasser spritzen
  • hinstürzen und ihn auf Schmerzen untersuchen
  • sein Bedürfnis herausfinden und erfüllen
  • ihn von der Situation weglocken
  • ignorieren
  • weggehen - den Welpen alleine lassen

Wie würdest du reagieren?

Als mir die Geschichten mit "eine knallen, packen, schütteln und etwas nach ihm werfen" erzählt wurden - fragte ich nach: und hat es geholfen? In allen Fällen standen die Hunde jammernderweise neben mir. Die Antwort war also: nein. hat es nicht.

Ich kann noch eine Geschichte dazupacken. Vor mir steht ein 4-jähriger Rüde mit seinem Besitzer. Der Besitzer sagt, dass er nicht mehr auf WTs starten wird. Ich bin erstaunt, weiß ich doch, dass der Hund ein sehr guter Arbeiter ist. Leider auch ein sehr lauter, wie mir der Besitzer versichert. Ich frage, was er alles ausprobiert hat, um das Weinen bzw. laut-sein im Training und auf WT's zu stoppen. Er beginnt auf zuzählen:

  • Abbruch
  • Leckerlis
  • gut zureden
  • streicheln
  • draufhauen

Das komplette Programm, das man halt so kennt. Stimmt und nichts hätte geholfen. Diese Geschichte zeigt den Vorgang - von etwas das irgendwo und irgendwann scheinbar ansatzlos begonnen hat und nun endet. Ehrlicherweise darf man sagen, dass ein Hund, der weinen und lautsein 4 Jahre lang ausleben durfte, oder anders gesagt: man hat immer gehofft, dass er heute still bleibt, der hat sich bereits gut konditioniert - sein Druckabbau und das ist in den meisten Fällen Winseln währden der Arbeit, hat ein Ventil gefunden, dass lange Zeit zugelassen worden ist. Dieses auf die letzten Meter jetzt noch zu verändern, ist harte Arbeit - aber in meiner Welt wäre es die ehrlichste, denn wenn der Mensch nicht weiß woran er drehen muss, dann könnte es sein, dass der nächse Hund wieder winselt und was dann? 

Die erste 3 Möglichkeiten sind indiskutabel, weil sie nicht zielführend sind und meist sogar gegen einen arbeiten. Zudem zeigen sie nur wie hilflos und wenig relaxet man schon in dieser kleinen Situation ist "Herr hilf", wenn mal eine echt schwierige auf das Team zukommt.

Die nächsten drei Möglichkeiten halte ich für Welpen-freundlicher, aber deshalb keineswegs zielführender. Wobei es sicherlich eine gute Idee ist zu wissen, warum der Welpe jammert. Wissen hilft immer. Bleiben noch ignorieren oder und weggehen. Wobei der Punkt, den Welpen alleine zu lassen schon auch klasse ist - dann kann er mal über sein Verhalten in Ruhe nachdenken und es refklektieren (das ist ein Scherz). Ignorieren trifft es noch am ehesten - reicht aber allein als Lösung nicht aus. Weil am Ende des Tages greift der Satz: ignorieren heißt akzeptieren.

Was also tun?

Der Welpe jammert - dann ist der beste Tipp: entspannt bleiben. Noch ist nichts passiert. Ich versuche tatsächlich heraus zu finden (mit einem unauffälligen Blick zum Welpen) warum er jammert - muss er raus? Dann finde ich jammern als Zeichen klasse - nur das ich es natürlich deshalb nicht belohne und auch nicht gleich aktiv werde - obwohl ich damit eine Pfütze vor der Wohnzimmertür riskiere - und hier muss man sich entscheiden - evtl. Pfütze im Wohnzimmer oder jammern unterstützen. Denn das ist, was es macht - reagiert man unmittelbar auf jammern, checkt der kleine Kerl sofort - das hilft. Dann wird er es irgendwann in sein Portfolio aufnehmen.

Egal was ist - bleib entspannt.

Er hat gejammert - er hat dabei vielleicht sogar zu mir geschaut - also ist klar, er meint mich. Er will raus. Zwischen zwei Möglichkeiten als Reaktion muss ich mich  entscheiden - ich tippe weiter in meine Tastatur (damit kann es passieren dass er noch einmal jammert, weil er ja raus muss - mist, ich habe nicht aufgepasst, ich wollte ihn doch regelmäßig rauslassen -muss ich mir merken und notfalls einen Wecker als Erinnerung stellen.) Ich tippe weiter und beobachte ihn aus dem Blickwinkel. Er beginnt vor der Tür stehend an seiner Pfote rumzuspielen - jetzt stehe ich auf - gehe - aber nicht direkt auf ihn zu, sondern zum wichtigsten aller wichtigen Bücherregale - und schon saust der Welpe in meine Richtung - ich lobe ihn fürs Herkommen - nehme ihn auf den Arm und bringe ihn persönlich raus - puh noch einmal gut gegangen.

Für mich ist dieses: "nicht gleich auf den Welpen zugehen"-  der größte Trick - selbst wenn es super eilig wäre würde ich erst in eine andere Richtung gehen - damit er eine Aktion dazwischen setzt - er wird abgelenkt von seinem Vorhaben - jetzt löse ich mit ihm das Problem.

Je früher ein Hund Jammern als Option einsetzt, desto eher kann ich ihm beibringen, dass es eben keine Option ist. Dabei wende ich kein bestrafen an - auch wenn "nicht gleich reagieren" als solche ausgelegt werden könnte.

Was aber, wenn der Welpe nie - gar nie gejammert hat und als Junghund plötzlich damit anfängt?

Meist passiert das, wenn der Hund überfordert oder die Situation für ihn komplett neu ist (ist dann auch überfordert, klingt aber anders). Ich nenne das: eine Entwicklung gemacht haben und jetzt kommt der Teil dazu: der Hund hat eine Erwartungshaltung aufgebaut - er weiß Bescheid. Diese Art des Jammerns ist am besten erklärt mit dem "berühmten Spaziergang". Der Junghund sieht den Griff zur Leine und weiß was als nächstes kommt - plötzlich klingelt das Telefon man geht ran - und der Junghund steht vor der Tür und jammert. Bingo.

Dieses Jammern wiegt in meinen Augen schwerer. Denn es hat eine neue Komponente in sich: Aufgeregtheit. Vorfreude. Erwartungshaltung. Und wie stoppt man dieses Verhalten nun wieder? Der kurze Tipp lautet - alles was du bis hierher als "immer wieder gleiches, sich täglich wiederholendes, für den Hund erkenntliches Muster" (Gewohnheit) aufgebaut hast, abbauen. Hund verwirren und Situationen verändern. Ein Beispiel: Leine nehmen, in die Küche legen und mit dem Kochen beginnen. Die Leine wird als Sichtzeichen für Rausgehen nicht mehr genutzt - sie liegt die nächste Zeit vor der Tür.

Was, wenn der Hund im Training mit dem Jammern beginnt?

Suuuuuuper peinlich. Dieses Gefühl ist automatisch gleichzusetzen mit "du hast versagt. Du wirst nie ein Team finden. Die Gruppe haßt dich, dein Hund ist aus einer miesen Zucht." Und weil dieses Gefühl nicht ausreicht - kommen manchmal noch so grandiose Tipps wie: "hau ihm auf die Schnauze oder zieh mal die Leine fester zu."

Vergiss es. Du musst dich jetzt entscheiden. Die Frage ist, was muss dein Hund lernen? Ist das eine einmalige Situation gewesen oder nörgelt er doch immer mal wieder vor sich hin? Ist er überfordert oder will er nur schnell ans Dummy? Je nachdem wie gut deine Verbindung zu deinem Hund ist, gibt es viele Möglichkeiten zu reagieren - aber das Beste wird sein: du holst dir eine zweite Meinung von einem der gut mit Hunden umgehen kann und der aus einem anderen Blick sieht, was wirklich los ist und wo die Baustelle ist und was der beste nächste Schritt ist.

Leider sprengt es hier den Rahmen darauf noch näher einzugehen und ich weiß, es wäre wichtig - aber die Antworten darauf sind auch super individuell und von Fall zu Fall unterschiedlich.

 

Eine schöne Zeit mit deinem Hund wünscht dir Claudia von keinköter.de

 

 

Ich bin kein Köter

claudia von keinkoeter

hey ich bin's, Claudia. Die allermeisten Artikel, die du hier lesen kannst, sind von mir. Und alle Schreib- und Kommafehler auch.

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