Die Wahrheit über den besten Freund

In Facebook sehe ich oft herzzerreißende Bilder mit Überschriften, die einen traurig stimmen könnten: "mein bester Freund, der einzig wahre Freund, .. nur dir vertraue ich mein Leben an, oder ich schenke Hunden mein Herz, denn sie brechen es erst, wenn sie nicht mehr da sind."  Boah harter Tobak. Ist es wahr, dass ein Hund ein bester Freund sein kann? Ich blicke einmal ganz emotionslos auf diese Frage. (und knutsche dabei meinen Hund 😐)

"Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum"

So oder so ähnlich soll das Heinz Rühmann vor langer Zeit einmal gesagt haben. Nun, diesen Satz kann man als These einfach so stehen lassen. In diesem Satz wird von der hingebungsvollen Selbstaufgabe manch eines Hundebesitzers noch nichts verraten. 

Mein persönlicher Ist-Zustand: Ich mag meine Hunde. Sie belegen einen großen Teil meines Alltages. Ich bin gerne mit ihnen zusammen. Ich trainiere sie gerne, ich streichel sie gerne. Ich habe gerne Spaß mit ihnen. Sogar maßregeln tue ich sie gerne, weil sie sind, wie sie sind. Vier Hunde leben in meinem Haushalt. 4x die gleiche Rasse, 4x die gleiche Farbe: Blond oder gelb. Fast möchte man denken: wie langweilig. Und jeder dieser Hunde ist speziell und individuell. Also anders. Sie mögen ähnlich aussehen und sie können alle bellen und knurren, aber das war es auch schon an Gemeinsamkeiten.  Wobei meine Schwester sagt, dass das alles nicht stimmt. Für sie sind es 4 nervige Tölen, die mein Leben "occupien". Und irgendwie stimmt das ja auch - erkläre mal einem Labrador, dass es heute nichts zu fressen gibt, der zieht aus.

Nun erlebe ich in Facebook immer wieder Posts, in denen steht: Mein bester Freund oder sogar mein treuster Partner. Gerne werden auch inhaltlich-starke Sätze mit schicken Bildkompositionen zusammengefügt, ein Beispiel:

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Eine grafische Meisterleistung zum Verhältnis Mensch & Hund

 "Die Pfote eines Hundes ist oft sauberer als der Charakter mancher Menschen."

Dieser Beitrag wurde in Facebook mehrfach geliket und auch geteilt. Mich erinnert die Pfote auf dem Bild an meinen Friseurtermin nächste Woche... oder eben an ungepflegte Hundepfoten...

Die Frage, die ich mir trotzdem stelle ist, ob es da einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Pfote meines Hundes und meinem Charakter gibt, oder eben nur zwischen meiner Frisur? Ich habe natürlich sofort nachgesehen... Mein Glück, die Pfoten aller meiner Hunde waren sauber.  Nur bei Arrono steckte ein Stachel drin, gut, dass ich nachgesehen habe. Sagt die Stachelpfote nun mehr über mich aus, als die anderen Stachel-freien Pfoten? Hm, ich bin verunsichert... 

In einem anderen Post steht: Ein echter Freund hat 4 Pfoten und eine kalte Schnauze... Den Spruch finde ich unglaublich schräg. Was ist mit Hunden, die nur noch 3 Pfoten haben? Und wenn die Schnauze meines Hund nicht kalt ist, ist er dann unecht? Stell dir vor du hast einen Freund, der behauptet sein bester Freund sei ein Hund....  Normalerweise würde das doch für eine Einweisung reichen oder? Also ist das ein Single Spruch, das habe ich mich auch gefragt, weil, was sagt denn der Partner dazu, also der zweibeinige...? An welcher Stelle steht der denn dann? 

Noch ein tolles Beispiel:

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Hm, das wir uns das wünschen, klar... aber ist es Realität?

 "Hunde haben etwas, was manchen Menschen fehlt: Treue, Dankbarkeit und Charakter."

Du liebe Güte, ich glaube ja, dass Menschen, die so etwas schreiben keinen Hund haben? Auch hier habe ich überprüft ob das stimmt, ob meine Hunde erkennbare Treue, Dankbarkeit und Charakter haben... Wobei die Charakterfrage hatte ich schon mit der Pfote (siehe oben) geklärt, ätsch.

Dabei fiel mir auf, dass ich gar nicht weiß, wie diese Werte bei einem Hund gemessen werden? Ich befürchte, dass meinen Hunden das fehlt und noch viel schlimmer, ich vermute, dass fast alle meiner Hunde (außer Garvin, Garvin ist anders - zumindest möchte ich das glauben 😌) mich für einen Apfel vergessen. So viel zum Thema Treue und Dankbar... oh dankbar sein, ist ja ein großes Wort. Ich ertappe mich beim Überlegen, wann ich das letzte Mal dankbar war? Bei meinen Hunden ist mein Gefühl eher, dass ich mir jeden Tag ein bisschen mehr Mühe geben darf, damit sie bleiben. Und Garvin mag nur kein Obst... Am Ende bin ich dankbar, dass es so gut läuft zwischen uns.

Ein ganz besonders gelungenes Highlight an Sprüchen ist mir neulich unter die Finger gekommen:

Der beste Freund des Menschen

An dieser Stelle möchte ich gerne klären: was denken Hunde überhaupt? Bis heute ist ihr Denkvermögen wissenschaftlich nicht bewiesen. Ich frage mich manchmal, was die da in den Testlaboren für Hunde haben? Keine Labbis. Mein Hund kann denken. Wenn ich meinen Kühlschrank öffne, dann steht mein Hund IMMER neben mir... was ja der beste Beweis für der-kann-denken ist, oder? Er denkt, er bekommt etwas. Gut, in den meisten Fällen hat er damit sogar recht.

Nein, mal im Ernst... oder besser nicht, ich bin mir nicht sicher, ob Menschen, die so etwas posten, eine Comedy Karriere anstreben, oder ob es ihnen eben ernst ist? Andererseits überlege ich, ob man das einfach so stehen lassen sollte. Wenn jemand Glück und Heil in seinem Hund findet - ist das sicherlich nicht das Schlechteste. Ab und zu lese ich meinen Hunden diese Sprüche vor und dann diskutieren wir über den ein oder anderen Satz.... und manchmal kommt es mir so vor, als würden sie mir zustimmen. Manchmal... und das auch nur bei Garvin.

Mit einem weiteren Spruch (dem ich nicht zustimme, ein nasser Hund mit langem Fell uuuuuuhhhhh) schicke ich dich zurück auf die Couch - zu deinem Hund:

Der beste Freund des Menschen?

und gehe jetzt meinen besten Freund herzen, es grüßt dich Claudia von Keinkoeter

 

 

Claudia von KeinKoeter

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