Training mit dem Hund

Warum leichtes Dummytraining deinen Hund schlechter macht.

Es heißt doch immer, dass man seinen Hund im Dummytraining nicht überfordern soll. Weiter heißt es: "keep it simple". Also gestalte dein Training einfach. Und warum kann dann genau dieses einfache Training deinen Hund schlechter machen? KeinKöter wirft einen Blick auf die Sache.

Ich stehe abseits eines Trainings und schaue zu. Mein Hund und ich werden in der nächsten Gruppe dran sein. Ich blicke in strahlende Gesichter. Alle Teilnehmer haben gute Laune, haben Spaß und scheinen glücklich. Glücklich, weil ihr Hund das Dummy reingebracht hat.

Es geht nicht um das Dummy

Aber es geht nicht um das Dummy. Das ist in meinen Augen der erste Fehler im Training. Der Gedanke, es ginge um das Dummy. Welche Folgen hat der Gedanke? Denn, wenn er keine Folgen hätte, wäre er nämlich egal. Die Folge von "es geht um das Dummy" ist: das die Wichtigkeit darauf gelegt wird, ob der Hund das Dummy findet. Die Wichtigkeit liegt nicht darin, wie er zum Stück kommt. Das schafft in vielen Teams ein Problem in Bezug auf das Dummy. Die Folge davon ist ein schrecklich ernster Umgang damit und die Folge wiederum davon ist, dass Hunde mit dem Dummy nicht mehr zurückkommen, es lochen oder gar verweigern. Ich habe einen Hund erlebt, der Meister im Ball apportieren war, ein Dummy aber nicht mehr aufnehmen wollte. 

Wenn ich meinem Welpen in jungen Monaten ziemlich respektlos ein Dummy werfe, sehe ich oft in erschreckte Gesichter, die mir sagen: wie kannst du es wagen ...? Ich frage: "hey, wo ist das Problem? Es ist nur ein Dummy." Aber für viele ist es das nicht mehr. Ein Dummy ist heilig und ein Ball steht für Freiheit, Spaß und Belohnung. 

Ich spule eine Trainings-Szene zurück. Es geht um ein Memory Mark (das ist, wenn der Hund die Fallstelle bereits kennt oder eine Markierung gesehen hat, die er aber erst später arbeiten darf). Die erste sachkundige Diskussion ist jetzt: wie schicke ich? Ist ein sichtbar geworfenes Dummy immer ein Mark. Schick-Befehl "apport" oder wird es und wenn ja, ab wann, ein blind - Schick-Befehl "voran". Oder ist es egal, wie ich schicke - oder zu guter Letzt: es gibt eh nur ein Kommando für alles? Und was lernt der Hund wirklich?

Gut, die letzte Frage stellen sich nur wenige - dafür gibt es ja den Trainer. Aber genau die Frage, "wie schicke ich denn nu"? zeigt, dass viele keine eigene Philosophie für die Dummyarbeit entwickeln - was sie auch nicht müssten, sie könnten einfach eine übernehmen, tun sie aber auch nicht, sondern sie mutieren zu Befehlsfolgeempfängern ohne Lernerfahrung. Sie machen, was der Trainer gerade sagt, ohne zu hinterfragen. Das ist die schlechteste Lösung, denn ab morgen werden sie alleine ihren Hund trainieren - der Trainer ist weg und kann keine Hilfestellung mehr geben - nun heißt es auf Erlerntes zurückgreifen - aber was war das noch gleich mal?

Wenn es nicht um das Dummy geht, um was geht es dann?

In einem Workingtest geht es um das Dummy. Je "schneller" der Hund das Dummy findet und zurückbringt, desto besser für die Bewertung, grob ausgedrückt. Im Training geht es um das "wie" - den Weg dorthin. Denn der Weg dorthin wird später das zeigen, was der Hund verstanden hat.

Zurück zum Training und meinem Beispiel. Das Memory-Mark soll nun vom Hund geholt werden. Die Strecke: gut 70 m, quer über ein Feld hin zu einem Busch, dort liegt das Dummy. Die Teilnehmerin setzt den Hund an, zeigt auf den Busch und sagt "voran". Der Hund läuft los, 10 m dann weicht er bogenförmig von der geradesten Linie ab und stöbert im Zick-Zack-Modus über's Feld. Die Besitzerin schaut ihrem Hund nach. Irgendwann ist der Hund gute 20 m hinter dem Busch. Der Suchenpfiff klirrt in meinen Ohren seit gefühlten 60 m. Der Trainer fragt nach dem Wind. Die Teilnehmerin wirkt ertappt und schaut in den Himmel. Der Hund marschiert immer noch Querbeet über das Feld. Plötzlich reißt es ihn und er spurt zurück zum Busch. Die Frage nach dem Wind hat sich gerade beantwortet. Der Hund pickt das Dummy. Die Besitzerin jubelt. Der Trainer atmet aus.

Der Weg ist das Ziel.

Lass mich festhalten - in denm Trainings sollte gerade in der Junghundephase der Weg das Ziel sein. Die Antwort auf die Frage, was lernt der Hund wirklich? Bedeutet, dass man ihm mit den Aufgaben klarmachen darf, um was es geht. Die größte Diskussion zwischen den Ländern ist immer noch, ob man ein Kommando für Apport- und Einweise-Arbeiten nutzt oder zwei? In meinen Augen eine unbrauchbare Diskussion, wenn den Teilnehmer das Erreichen des Dummys glücklich macht und der Weg egal ist. Und genau hier beginnt die Krux.

Hundebesitzer, die nicht nach dem Weg ausbilden, sondern nach dem Ergebnis, werden zu Hause in ihren Trainings immer leicht und einfach trainieren. Erstens verstehen sie den Unterschied zwischen einem intelligenten, für den Hund förderliches Training und einem stupiden (immer gleichem) Training nicht und zweitens, und das ist fast noch schlimmer, geben viele neue Trainer einen  intelligenten Trainingsaufbau auf und bedienen das ergebnisorientierte Training*. Alle sind glücklich, sobald der Hund das Dummy hat. (*Sei es, dass sie es nicht besser können oder eben keine Lust mehr auf mehr Anstrengung haben, oder weil kein Teilnehmer ein intelligentes Training einfordert.) Als stupides Training bezeichne ich ein Training, in dem nur Aufgaben abgearbeitet werden (hier fehlt der Aufbau für den jungen Hund)

Was zeichnet ein intelligentes Training aus? Das ist, wenn der Hund in seinen Anlagen gefördert, seinem Stand der Dinge und seines Alters gemäß trainiert wird. Diese Aufgaben können leicht und trotzdem tricki sein. Ergebnisorientiertes oder leichtes Training ist in den meisten Fällen ein sehr statisches Training. Eines, das den Hund "dumm" werden lässt, weil er es schnell durchschaut, die eigentliche Trainingseinheit aber nicht lernen wird.

Ein Beispiel. Unser Beispiel-Trainer beginnt mit seiner Junghundegruppe immer mit einem Memory-Mark als Blind-Aufbau. Der Aufbau ist immer derselbe. Der Hund mit Besitzer steht ihm in Entfernung X-Meter gegenüber. Er wirft ein Dummy an eine markante Stelle. Der Hund darf das Stück sofort holen. Er wird geschickt mit "apport". Der Hund hat die Flugbahn, den Werfer und die Fallstelle gesehen. Auf dem Rückweg mit dem Dummy legt der Trainer an die selbe Stelle ein Dummy nach. Nun schickt die Führerin den Hund in einer anderen Körperhaltung mit dem Kommando "voran". Der Hund kennt die Stelle. Er sieht den Trainer. Der Blind-Aufbau war geboren. Taraaaaa.

Die Frage lautet, was lernt der Hund wirklich? Das Training ist vorbei und die Hundebesitzerin zieht am Montag alleine los und beginnt 7 Tage die Woche ihrem Hund "blinds" zu lernen. Sie wirft ein Dummy, schickt den Hund, legt eines nach und schickt den Hund wieder. Das heißt, sie trainiert den Hund statisch und zu einfach. Statisch: es ist immer das gleiche tun. Einfach: er hat es nach dem 3.x begriffen. Was er gelernt hat, wird sich zeigen (in den meisten Fällen nicht, was "voran" bedeutet)

Statisches Training macht Hunde dumm

Ich begegne in den Trainings oft Aufgaben, die langweiliger nicht sein können: mark und blind. Dazwischen scheint es nichts mehr zu geben. Manchmal noch mark - mark - blind. Alle Stellen wurden vorher über entsprechende Memory-marks aufgebaut. Das Gelände wird selten gewechselt, der Hundebesitzer steht fröhlich am selben Platz. Jeder Hund macht die gleiche Aufgabe. Spätestens der dritte Hund weiß, wohin er muss und lernt den Spuren der anderen zu folgen schnell zum Dummy führt (nur zu der Frage, was lernt der Hund wirklich?).

Was kann durch statisches oder zu einfaches Training passieren? Wer immer gleich trainiert, produziert vermehrt die Gefahr des Einspringens und des störenden Lautgebens, jeder Hund, der den nächsten Schritt im Schlaf kennt, kann sich entweder langweilen und einspringen oder laut gähnen. Am Ende hat man mehr Fehler oder ungewolltes Verhalten in den Hund hinein trainiert, als das der Hund begriffen hätte, was die Hand beim Voran bedeutet. Und wie gesagt, es geht hier nicht um den einmaligen Aufbau eines Blinds über ein Memory Mark, sondern über die "über die Monate" gleiche Übung.

Ist das jetzt alles schlimm?

Keineswegs. Wer sich auf Workingtesten auf den Ergebnislisten gerne weiter hinten ansiedelt, wer nach dem Motto startet "dabei sein ist alles" - für den wird dieses Training weiterhin genügen. Obwohl ich finde, dass es für unsere Möglichkeiten und für die unserer Hunde eine Beleidigung ist. Aber wenn das Erreichen eines Dummys zu Glücksmomenten führt, wer wollte diese zerstören? Für alle anderen gilt: Glück kann auch im Fehler liegen. Das wiederum wirft die Frage auf, wie man sich selber motiviert. Ich gebe zu, eine gut gelungene Aufgabe erfreut mich wirklich sehr. Aber wenn eine Aufgabe schiefgeht, sehe ich das größte Potenzial im Wachstum. Und das ist wohin ich will. Wachsen. Zusammenwachsen. Ein Team werden mit meinem Hund.

Die Open, das ist Freestyle pur

Wer in der  Open (offene Klasse) oder auch Siegerklasse genannt, starten möchte oder wer auf einem Mock Trial starten will, der braucht einen beweglichen Hund. Beweglich im Sinne von "vergiss-einen-statischen-das-ist-jetzt-immer-so-Aufbau" - den plötzlich wird es kein Mark - Blind mehr geben, sondern es ist alles möglich. In der "Offenen Klasse" ist alles möglich. Die Aufgabenschwere liegt ganz alleine in der Hand des Richters. Da braucht es Hunde, die "voran" verstanden haben, die wissen, was es bedeutet über eine alte Fallstelle zu gehen, die in einer Suche suchen, und wenn dann da nichts mehr liegt, gestoppt und weiter nach hinten müssen, weil sie einen vermeintlichen Runner arbeiten sollen. All das wird ein statisch ausgebildeter Hund nicht erleben. Weil er verloren auf dem Feld stehen und seinen Aufbau suchen wird. Weil er über die Jahre nicht verstanden hat, was man ihm lernen wollte.

Dem Hund ist das sicherlich egal. Aber seine Anlagen hätten weitaus mehr hergegeben, wenn nur nicht dieses verflixte statische Training nicht gewesen wäre und der Glücksmoment, wenn der Hund das Dummy hat. Wir sehen uns beim Training oder im Feld.

Es grüßt dich Claudia von keinköter.de

Ich bin kein Köter

claudia von keinkoeter

hey ich bin's, Claudia. Die allermeisten Artikel, die du hier lesen kannst, sind von mir. Und alle Schreib- und Kommafehler auch.

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