Warum spielen mit dem Welpen wichtig ist!

Es gibt eine Lücke in der Ausbildung unserer Hunde. Wir entfernen uns als Persönlichkeit immer mehr von unseren Hunden. Dabei höre ich, wie manch ein Hund einen echten Terminkalender erfüllen muss. Montag Agility, Mittwoch Mantrailing und am Samstag zum Ausgleich Obidience. Dabei habe ich immer behauptet, dass es sie nicht gibt: die überforderten Trainings-Terminplan-Hunde. Bis ein völlig übermüdeter 13 Wochen alter Labrador vor mir stand und die Besitzerin stolz erklärte, dass sie gerade von einer eineinhalbstündigen Welpenschule käme und jetzt noch gerne in meinem Kurs mitmachen würde. Keine gute Idee, wie ich finde. Und dazu kommt, das all das viele Getue das persönliche Spiel mit dem Hund nicht ersetzt.

Man mag es für überflüssig halten, in der ersten Woche ist es eine gute Idee Nonstop für den Welpen da zu sein. Ein Ziel, oder besser einen Plan zu haben, macht die erste gemeinsame Zeit einfacher. Hm, sagt eine innere Stimme, aber hat man uns nicht eingebläut den Welpen nicht so wichtig zu nehmen, damit er nicht größenwahnsinnig wird? Heißt es nicht immer: der Welpe kommt zum Schluß in der Rangordnung?

Stimmt. Da war was.

Ich halte diese These für schlichtweg nicht durchführbar oder sagen wir mal nicht so durchführbar und auch nicht für besonders sinnvoll. Stell dir vor, du kommst ganz alleine in eine neue Familie und keiner würde dich ab jetzt mehr beachten... wie wäre deine Reaktion darauf? Deshalb ist es meines Erachtens völlig okay, wenn man die erste Woche den Welpentraum zuhause lebt. Gut ist es einen Plan für die Zeit nach der ersten Woche in der Hinterhand zu haben. Denn dann kennt dein Welpe dich schon und du ihn ein bisschen. Seinen Welpen kennenzulernen, ist für die kommenden Wochen von Vorteil. Kennenlernen meint zu wissen, ob er ein mutiger Welpe, ein selbstständiger, ein vertrauter, ein schmusiger, ein gehetzter, ein erschrockener, ein ... ja, wie ist dein Welpe in der ersten Woche? Wie hättest du ihn beschrieben?

Seinen Welpen kennenzulernen hilft für die kommenden Wochen

Welpenkäufer ohne Plan: die sagen, "ich schau mal wie das wird, wenn der Welpe da ist." Man lässt es auf sich zukommen. Das ist dann die: reagieren - Nummer. Weil geplant ist ja nichts. Welpenkäufer mit Stechuhr: Die haben nur Pläne. Punkt 17:00 Uhr Fressen, dann raus bringen, Pippi machen, dann 1,5 Stunden schlafen, dann wieder rausbringen... Das ist zwar einen Plan haben, wie das mit einem Welpen laufen kann, aber wirklich entspannt hört es sich nicht an. Bleibt die goldene Mitte: einen Plan in der Tasche haben und trotzdem entspannt bleiben und der Situation angemessen handeln. 

Was auf dem Planauf jeden Fall stehen sollte ist: mit dem Welpen spielen. Nun denkt man sich: "na das ist doch klar."  Aber der Einwand lautet: nicht die Nachbarskinder oder die eigenen sollen mit dem Welpen spielen, sondern du. Du, der du in Zukunft mit dem Welpen rausgehst, du, der du mit ihm trainierst und üben wirst, du, der du Futter gibst und ihm Regeln beibringst und ihm die Grenzen aufzeigst. Du.

spielen mit dem Welpen

Noch kein Spiel, aber der erste Kontakt von der Mohnenfluh Arrono mit 4 Wochen.

Und dann auch nicht irgendein Spiel.

Puh, jetzt wird's ganz schön aufwendig. Aber das scheint nur so, wenn man sich vorher keine Gedanken darüber gemacht hat. 

Spielen mit dem Welpen bringt folgende Vorteile mit sich:

  1. es fördert die soziale Kompetenz
  2. festigt die Bindung
  3. man lernt sich kennen 
  4. man kann spielerisch Grenzen setzen
  5. es macht Spaß
  6. es fördert die Frusttoleranz
  7. es unterstützt die Impulskontrolle

Das gemeinsame Spiel fördert den Welpen in seiner Enwicklung und nirgends sonst werden wir ihn so unbeschwert und frei erleben, wie in einem Spiel mit uns. Es gibt verschiedene Arten von Spiel - das eine ist darauf ausgerichtet, dass der Welpe eine Fähigkeit "erlernen" soll - die andere nenne ich "es kommt, wie es kommt" Spiel. Das heißt, man reagiert auf das, was der Welpe anbietet und entwickelt eine eigene Spielesequenz.

spielen mit dem Welpen
Manchmal läuft spielen sehr harmonisch ab...

Richtig spielen mit dem Welpen
kann sich dann aber auch schnell ändern ....

Was ist bei beiden Arten der Unterschied und wie sieht ein Spiel eigentlich aus? 9 von 10 Welpenbesitzer wissen nicht, wie sie mit ihrem Welpen spielen sollen und das ist doch sehr erstaunlich. Die Fragen, die Spielen beantworten kann, sind: gibt es Grenzen, wie fühlst du dich an, wie spielst du, kannst du mich lesen, weißt du wie ich mich anfühle?

Und manchmal ist auch gar keine Frage dahinter, sondern einfach nur pure Freude am Welpen. Aber auch dann ist es gut genau hinzusehen ob das was man mit dem Welpen macht ihm auch gefällt, ob er darauf eingeht und von sich aus mitmacht, sonst ist es kein Spiel.

Im Spiel kann man seinen Welpen auch fördern: zum Beispiel in der Balance, man kann ein Halt für ihn sein, man kann ihm Geborgenheit geben, Nähe und Zuneingung spüren lassen. Spielen ist alles in einem: Großzügigkeit und Grenze, Freiraum und Enge, Energie und Stopp.

Spielen findet unten statt.

Egal, was man für einen Welpen hat, ist der schon größer/älter oder noch sehr klein/jung, das Spiel findet unten bei ihm auf dem Boden statt. Ich gehe mal von einem Labrador Welpen aus - den bezeichne ich als mittel groß im Welpenalter (aus der Sicht eines Rhodesian Ridgebacks sicher ja, aus Sicht eines Jagdterriers sicher nicht) Das Spiel sollte also der Größe des Welpens angepasst sein und findet auf seiner Höhe statt.

Ich liege auf dem Boden in meinem Wohnzimmer und setze den Welpen auf mir ab oder ich simuliere ein Pferd  und lasse den Welpen unter mir durchkrabbeln. Liegt der Welpe auf mir kann ich ein kleines Erdbeben simulieren - ich kann den Welpen wie auf dem Rummel ein bisschen aus der Balance bringen - gleichzeitig kann ich ihn Halten und so Sicherheit vermitteln. Er soll lernen sich selbst auszubalancieren - dabei beobachte ich, ob es ihm eher schlecht wird, oder ob er es lustig findet und dementspreichend werde ich mein Spiel anpassen. ich halte meinen Welpen stütze ihn, schiebe ihn weg, robbe weg, halte ihn fest, knuddle ihn, blase ihn an, mache Geräusche... wenn man mich sähe, würde man sagen: nicht ganz dicht. Und das ist gut so.

Wenn ich mit ihm spiele, vergesse ich um mich herum alles und blicke nur auf meinen Welpen - wie reagiert er, was mag er besonders und vor was hat er noch Angst? Ist er mutig oder eher zögerlich, ist er neugierig oder eher jetzt schon ein Gewohnheitstier? All diese Fragen kann ich mit meinem Spiel mit ihm beantworten. Aus diesen Antworten kann ich Rückschlüsse ziehen was er braucht oder wo ich ihn fördern, unterstützen kann oder auch einbremsen muss.

Spielen findet in einem Rahmen statt, in dem der Welpe das auch leisten kann.

Ich spiele anfangs nur im Wohnzimmer mit meinen Welpen, dort ist die Ablenkung am geringsten. Bald spiele ich dann auch im Garten mit ihm, also  in geschützten Bereichen, dort wo uns niemand stören kann und wo ich es kontrollieren kann wer dazu kommt oder wo auch keine Gefahr droht durch  Autos, eine Straße oder andere Hunde. 

Mein Haupt-Augenmerk im gemeinsamen Spiel ist, dass der Welpe auf mich konzentriert bleibt. Das mögen anfangs Mini-Minuten sein, am Ende oder nach einer Zeit wird er bis zu 15 Minuten hemmunglos mit mir spielen. Bereits hier lerne ich ihm den Fokus auf mich zu halten.

Er ist noch klein

Aber egal, was man sich aus dem Spiel mit dem Welpen herauszieht, der wichtigste Gedanke ist: es ist ein Welpe... er ist noch klein. Man muss sich nicht beeilen, mit nichts, aber habe ihn im Blick. Ihn und seine Entwicklung.

richtig spielen mit dem Welpen 
Beschwichtigen - von der Mohnenfluh Arrono ist an Jiffys Beute interessiert.

Nicht jeder Welpe will angefasst werden.

Kennst du Erzählungen von "Mein Hund ist ein richtes Schmusetier" und man selbst sitzt neben einem Hund, der sich jedesmal leicht angeekelt von einem abwendet, sobald man als Besitzer/in sich ihm - mit dem Gedanken einer Streicheleinheit - nähert? Tatsächlich ist auch das möglich.

Manch ein junger Hund mag keine körperliche Nähe, manch einer mag dies über alles. Manch ein Welpe schliesst sich sofort seinen Besitzern an, ein anderer rennt nur in die andere Richtung... sie sind individuell und können von "super anhänglich" bis hin zu "immer auf der Flucht" alles erfüllen. Sie können dickköpfig, schwer von Begriff, leichtführig oder langsam, schnell und ungehalten sein. Das ist das, was dein Hund mitbringt und jetzt kommt die Ausbildung, sein Alltag, seine Erziehung, das ist, was du am Ende daraus machst.

beitrag spielen03
Eine sichere Anfrage: von der Mohnenfluh's Arrono möchte an Garvins Kissen schnuppern.

Zwangsbekuscheln hilft 

Nun gibt es zwei Gedanken: Mein Hund mag kuscheln nicht, dann mache ich es auch nicht oder mein Hund mag kuscheln nicht, dann mache ich es trotzdem. Nicht jedem ist die Antwort auf diese Frage oder Entwicklung beim eigenen Hund klar - wie ist der beste Umgang damit? Oftmals handelt man gemäß seiner eigenen Werte - anfangs selten derer, die dem Hund helfen -  doch die Folgen von "ich will keine Nähe nicht" können echt fatal werden.

Ist bei mir als Besitzer ein hoher Wert Gerechtigkeit und Recht auf Selbstbestimmung, werde ich den Hund nicht zwangsbekuscheln - es würde gegen meine eigene Einstellung gegenüber dem Leben verstoßen. Ob es dem Hund im Leben hilft, ist hier nicht die Frage, ich spreche gerade nur von der These, warum viele den Hund nicht zwangsbekuscheln würden.

Ist bei einem ein hoher Wert Familie und Gemeinschaft sird der den Hund zwangsbekuscheln, denn man möchte ihm nichts vorenthalten, was einem selbst wichtig ist.

Welche Werte wir gegenüber unserem Leben haben (wenn man diese überhaupt kennt) ist bei der Hundeerziehung im ersten Jahr zweitrangig zu betrachten. Erstrangig ist immer die Frage: was hilft dem Hund im Alltag sich bestens zurecht zu finden? Hundebesitzer, die Hunde haben, die in jungen Monaten nicht gestreichelt oder nur wenig Nähe haben wollen, ist anzuraten viel mit diesen Hunden zu spielen (im heimischen Wohnzimmer) und soviel Nähe als möglich aufzubauen. Ein Hund kann nicht frei entscheiden, ob er Nähe zulassen kann oder nicht. Er macht es oder er macht es nicht. Er reflektiert nicht, ob ihm dieses Verhalten einmal schaden könnte.

Einem Hund Nähe beizubringen, heißt nicht einen Hund zu bekommen, der früher oder später jeden Menschen vor Freude anspringt. Es heißt nur, dass der Hund mit Nähe umgehen und sie vielleicht später sogar genießen kann.

Ein Beispiel. 

Gabi hatte einen Welpen, der auf Nähe und Kontakt nicht viel Wert legt. Sie aktzeptiert das Verhalten "unbewusst". Gabi hat viele Freunde, die auch Hunde haben, hier beocbachtet sie, dass die anderen Hunde mehr Nähe-Verhalten zu ihren Besitzerinnen pflegen. Ihr Satz lautet "Mein Hund mag keine Nähe, dann zwinge ich sie ihm auch nicht auf". Auf die Frage, ob Gabi sich mehr Nähe Verhalten von ihrem Hund wünschen würde, beantwortet sie mit ja, aber...

Gabi geht mit ihrem Hund in die Junghunde-Gruppe. Sie will die Basisausbildung für gutes Folgen angehen. Sie weiß nur ein Hund der folgt, wird frei sein. Bei den Übungen bekommt sie keinen Zugriff auf ihren Hund. Ihr Junghund entzieht sich allen Übungen, die auf Nähe aufgebaut sind. Selbst belohnen fällt schwer, da der Hund immer einen gefühlten Sicherheitsabstand zu Gabi einhält.

Das "ablehnende Verhalten", welches Gabi hier noch im kleinen Stil erlebt, kann sich auf die Tage summieren. Dazu kommen ab jetzt gemachte Erfahrungen, die der junge Hund täglich macht. Diese werden nicht dazu führen, dass er zu einem Hund werden wird, der Nähe sucht, ertragen oder annehmen wird. Sondern mit jedem Tag wird sein Distanzverhalten ausgeklüngelter, denn: er überlebt damit und das auch noch auf hohem Niveau. Er wird täglich gefüttert, bekommt Aufmerksamkeit und wird raus geführt. Soll heißen ein Hund kann dieses "ablehnende oder Nähe nicht vertragen-Verhalten nicht von alleine verändern. Wir als Besitzer müssen darauf in jungen Wochen und Monaten einwirken damit es sich verbessern kann.

Ein anderes Beispiel:

Josh, ein Golden war genau 8 Wochen alt, als er auf einer Wiese stand und über das Tal blickte. Er machte das nicht irgendwie - er stand da, wie der König der Löwen und blickte in die Ferne. Ich glaube ich hörte ihn dabei: "ALLES MEINS", sagen. Die Besitzerin, ach ja, sie stand 100 Meter dahinter. Sie hatte Josh aus dem Auto gehoben und auf den Boden gesetzt und noch während sie das Auto absperrte war Josh losgstürmt oder geflohen, ich weiß es nicht. 

Ich mag selbstständige Hunde, aber nicht mit 8 Wochen!

Das, was ich an diesem Tag gesehen habe, hätte für mindestens 10 Alarmklocken gereicht ...  und einer Dauersirene. Sich alleine mit 8 Wochen eben mal auf den Weg zu machen ist... Wahnsinn. 

Wäre das mein Welpe, würde ich die kommenden 2 Wochen bei mir zuhause im Garten verbringen mit jeder Menge gemeinsamer Spiele.

Das einfache Spiel schafft Nähe

Mein Tipp, egal wie dein Welpe drauf ist - vielleicht weißt du das noch gar nicht so genau, macht nichts. Spiel mit ihm. Mach es ihm für die Zukunft einfacher Nähe zu ertragen oder besser noch, Nähe zu mögen. Nähe schafft Vertrauen und Vertrauen ist große klasse und wird dringend gebraucht unter anderem auch sobald es in die Erziehung mit der Apportier-Methode geht. 

Nähe lässt Konzentration zu, Nähe lässt Korrektur zu. Nähe zeigt Vertrauen, Zusammengehörigkeit und gibt uns Hundebesitzer ein gutes Gefühl. Spielen beinhaltet soviel mehr gute Komponenten als nur Zeit mit deinem Hund zu verbrignen. Solltest du dich nun fragen, wie richtig spielen aussieht? Dann schmeiß dich mal auf den Boden und schnapp dir deinen Hund und los... und während du mit ihm in Kontakt bist, achte darauf was er mag und was nicht...

Zur Erinnerung: es gibt Zerrspiele, Suchspiele, Fangspiele, Vertrauensspiele, Knuddelspiele ...

Eine spielerische Zeit mit deinem Hund wünscht dir Claudia von keinkoeter.de 

 

 

 

Claudia von KeinKoeter

Zugriffe:2149

© Keinkoeter.de. All rights reserved. Powered by graphicgarden.