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Dummytraining und die Frage nach dem Abbruchkommando

Dummytraining und die Frage nach dem Abbruchkommando

Ein gut-funktionierendes Abbruchskommando im Alltag zu haben, ist eine tolle Sache, es kann Leben retten. Man ist in der Lage, mit nur einem Wort einen Hund zum Unterlassen einer Tätigkeit zu bringen. 

Aber was nutzt man, wenn der Hund im Training einen Fehler macht? Lass uns einen Blick auf die Frage nach dem richtigen Abbruchkommando im Training werfen.
 
Idealerweise ist ein Abbruchskommando positiv belegt worden - das heißt der Hund kommt mit dem Befolgen des Kommandos zur Hundeführer:in. 
 
Wie man ein Abbruchskommando aufbaut, ist einfach. Man nehme einen: 
 
  • Zwischenkonflikt
  • in einer reizarmen Umgebung,
  • ein noch unberührtes Wort,
  • und eine Haltung dazu ein 
und schon kann es losgehen mit dem Üben des Abbruchkommandos.
 
Bei mir ist der Zwischenkonflikt meist etwas, das sich aus einer Alltagssituation ergibt. Neulich hat der kleinste von mir eine Semmel, die am Wegesrand rumlag, verdrückt. Okay – mein Objekt für einen Zwischenkonflikt war gefunden.
 
Eine Semmel.
 
Ich werfe also eine Semmel auf meinen Fußboden zu Hause und sage mein unberührtes neues Wort dazu: „Niet“ Körpersprache und Wording harmonieren eins A in der Situation.
 
Mein Kleinster blickt zuerst mich an, dann auf die Semmel, ein Reiz war geboren und die Frage in seinem Blick auch: What? Nun drehe ich ihm den Rücken zu und beobachte meinen Hund durch einen Spiegel, den ich vor mir aufgestellt habe und mit dem ich ihn gut sehen kann. Ich will ihm das Gefühl des unbeobachteten Moments gönnen.
 
Die Sache mit dem Abbruchkommando im Training
Eine klare Konflikt-Situation, mit der man ein Abbruchkommando üben kann. Boss darf den Ball nicht nehmen.
 
Es dauert keine 30 Sekunden, da robbt es ziemlich frech der Semmel immer näher.
 
Ich drehe mich um, gehe auf ihn zu und sage mein neues Wort. Dabei wirke ich auf jeden Fall bedrohlich. Seine Reaktion ist eindeutig: Er zuckt zurück, legt die Ohren an und wedelt heftig. Das weit unten wedeln. Gut denke ich. Wirkt. Ich lade ihn mit einer Gestik ein, zu mir zu kommen und gebe ihm eine Belohnung. Dann gebe ich ihn wieder frei. 
 
Die Semmel liegt derweil unberührt von unserem Tun weiter auf dem Boden.
 

„Ein Abbruchkommando unterbindet für den Moment jede Tätigkeit.“

 
Mein kleiner Hund hält respektvollen Abstand, hat aber immer noch die Idee, dass er da dran möchte und beginnt die Semmel zu umkreisen. Mit einem Sprung schnellt er Richtung Semmel vor - ich auch. 
 
Dazu benutze ich mein Wort und greife nach meinem Hund - hätte er die Semmel im Maul, würde ich sie einfach wieder herausnehmen und zurück auf den Boden legen. 
 
Ich lade ihn wieder ein, zu mir zu kommen und er bekommt eine Belohnung. 
 
Die Semmel wird er an diesem Tag nicht bekommen. 
 
Nun beginnt er sein komplettes Programm abzuspulen: anbellen der Semmel, Spielaufforderung, hin und herhüpfen, wieder Spielaufforderung, ablegen. 
 
Was schon aufgegeben?
 
Neu ist, dass er, mit dem letzten Antäuschen auf die Semmel zu springen, sein Vorhaben abbricht und gleich zu mir kommt – dafür gibt es wieder eine Belohnung. Er beginnt zu verstehen: Die Semmel ist nicht für dich.
 
Ich nehme die Semmel weg und lobe ihn.
 
Diese Semmel wird uns nun einige Male auf unseren Spaziergängen begleiten und das neue Wording „Niet“ auch.
 
„Niet“ ist zu meinem Abbruchsignal im Alltag geworden. „Niet“ bedeutet: lass das, was du tust sofort sein und komm zu mir (Im Gegenteil dazu „Enter“ als Markerwort).
 
Eingesetzt werden wird es bei Aktionen, die der Hund sofort unterlassen oder stoppen soll. Idealerweise ist es kombinierbar mit einem Komm-Pfiff – weil ich den Hund immer zeitnah bei mir haben möchte, daher hole ich den Hund im Aufbau schnell zu mir und belohne ihn – er soll verstehen, um was es geht.
 
Die Sache mit dem Abbruchkommando im Training
Ein echtes Abbruchkommando braucht anfangs zum Wort auch ein körperliches Statement.
 
Das Abbruchkommando ist einfacher mit  jungen Hunden einzuüben, da diese noch „manipulierbarer und auch beeindruckbarer“ sind. Früher hieß der Satz: Das Abbruchkommando muss so antrainiert werden, dass der Hund denkt, er würde sterben, wenn er es nicht befolgt.
 
Dieses Angstgefühl des Nichtüberlebens ist übertrieben, aber der Hund sollte zu dem Kommando schon einen gewissen Respekt entwickeln. Nur reicht es bei einem jungen Hund völlig aus, sich diesen mit einer entsprechenden Drohgestik und Mimik zu verschaffen – während ein älterer Hund darüber lächeln würde – er hat die Erfahrung immer zu überleben bereits gemacht.
 
Ich fasse zusammen: Das Abbruchkommando ist im Alltag dazu da, eine Situation sofort zu unterbinden.
 
Nun werfen wir einen prüfenden Blick aufs Dummytraining. 
 
In einem Dummytraining gibt es immer wieder Situation in denen etwas falsch läuft, ein Fehler passiert, der Hund etwas macht, das nicht richtig ist.
 
Würde man hier das Abbruchkommando einsetzen?
 
Nein. 
 
Im Dummytraining nutze ich ein anderes Wort für den Abbruch eines Moments. Hey, warum so kompliziert, könntest du fragen?
 

Ist der Einsatz eines Abbruchkommandos im Dummytraining sinnvoll?

 
Die Antwort ist einfach: Ich möchte, dass der Hund im Tun bleibt.
 
Mein Abbruchkommando lässt keinen Zweifel darüber, dass es jetzt Schluss, aus und vorbei ist. Ende. Hör mit dem, was du da gerade machst, sofort auf und komm zu mir.
 
Im Dummytraining möchte ich dem Hund vermitteln, dass das, was er macht, gerade falsch ist, dass er aber bereit bleiben muss, mit mir an dem Fehler weiterzuarbeiten. (Natürlich nicht an dem Fehler, sondern an der Lösung)
 
Ein Beispiel.
 
Missi steht neben ihrer Hundeführer:in und wartet. Es fällt ein Schuss, es fällt ein Dummy. Noch bevor sie geschickt wird, springt Missi ein. Ihre Besitzerin Sibylle schreit NEEIIIINNNN.
 
Missi hält inne und bleibt stehen. Geduckt kommt sie auf Anraten von Sibylle zurück und setzt sich neben die.
 
Der Trainer gibt Zeichen, die Situation zu wiederholen (das diskutieren wir jetzt nicht). Es fällt ein Schuss und Missi bleibt sitzen. Sibylle ist glücklich und gibt den Apport-Befehl.
 
Missi sitzt.
 
Sibylle wedelt mit der Hand nach vorne rum und beginnt stimmlich den Hund aufzumuntern. Ja, ja. Geh. Na los, apport.
 
Missi bleibt sitzen und fällt immer mehr in sich zusammen.
 
Wir fragen Sibylle welches Kommando sie im Alltag benutzt, wenn der Hund etwas macht, was sie auf keinen Fall machen darf. Sie überlegt kurz und sagt dann „nein“.
 
Sibylle nutzt also für „LASS DAS AUF JEDEN FALL SEIN MOMENTE“ das gleiche Wort wie für Achtung Fehler!
 
Das führt dazu, dass der Hund stagniert und blockiert. Wer möchte schon einen Fehler 2x machen? Der Hund denkt, er wäre für das rausgehen aufs Dummy gerügt worden, nicht für das Einspringen. 
 
Merke: Führt ein Hund zwei Tätigkeiten gleichzeitig aus, versteht er nicht sofort, um was es geht, wenn er gerügt wird. Oftmals passiert derselbe Fehler mehrmals, bis der Hund begreifen kann, was genau gemeint ist.
 
Die Lösung:
 
Führe ein zweites, ein anderes Wort zum Abbruchkommando dazu ein, dass dem Hund zeigt das, dass was er macht, zwar falsch ist, er aber im Trainingsmodus bleiben soll.
 
Das könnte zum Beispiel lauten „Name des Hundes + falsch“. In unserem Beispiel also: „Missi falsch“
 
Wie beim Abbruchkommando bedeutet der Inhalt des Trainingskommandos „stoppe das, was du tust, denn ist falsch“. Idealerweise kommt nun eine Einladung von uns, dass der Hund zu einem kommen soll oder ein Zeichen, dass er sogar da bleiben soll, wo er gerade ist, damit man eventuell von dort aus weitertrainieren kann.
 
Der grandiose Unterschied zwischen den Kommandos ist: 
 
  • Abbruch: Ende von allem.
  • Falsch: nur der Moment ist falsch, wir machen weiter
Sensible Hunde werden nach einem Abbruchkommando lange Zeit brauchen, bis sie wieder ins Tun kommen und mitmachen – in einer Trainingssituation fatal, denn man möchte den Fehler möglichst gleich geraderücken.
 
Das „falsch gemacht Zeichen“ ist weder körpersprachlich noch stimmlich so massiv wie das Abbruchskommando, auch wird es in entspannter einfacher Situation geübt und darauf geachtet, dass der Hund dadurch nicht einbricht.
 
Es gibt jedoch Situationen im Dummytraining, da ist es sinnvoll, das Abbruchkommando zu nutzen, nämlich dann, wenn ein schlimmer Fehler passiert, der eigentlich nichts mit Dummyarbeit zu tun hat, zum Beispiel:
 
  • Ins Gelände pieseln (mit oder ohne Beute)
  • Auf der Beute wälzen
  • Nicht zurückkommen mit Beute
Natürlich ist auch hier entscheiden, wie alt der Hund und wie sein Ausbildungsstand ist? Ein Junghund von 7 Monaten, der mit dem Dummy nicht zurückkommt, kann ein Trainingsdefizit haben. Ein Hund mit 24 Monaten der vor der Gruppe ins Gelände pieselt eher nicht. 
 
Zusammenfassend:
 
Es ist gut beide Kommandos in petto zu haben: das Abbruchskommando genauso wie das Fehlerkommando, damit man im Notfall leicht wählen kann.
 
Ich gehe jetzt trainieren und hoffe keines der Kommandos zu benötigen. Es grüßt dich Claudia von keinkoeter.

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