Leider schaffen es nicht alle Hunde bis zu einem Wettkampf, das liegt oftmals weniger an den Hunden als an ihrer Ausbildung.
Dummytraining findet in vielen Variationen statt, eine Variation ist sicherlich einfaches Apportieren, der Unterschied in beiden Variationen steckt im Detail. Dummytraining hat den Workingtest vor Augen. Apportiertraining nur den Spaß, ohne den Wettkampfgedanken . Ich bezweifle sogar, dass jemand, der selbst nicht auf Workingtesten startet ein Dummytraining anbieten kann. Sicherlich können viele einem Hund das Apportieren beibringen, aber zum Dummysport mit Wettkampfreife braucht es mehr Wissen.
Dummyarbeit, das ist mehr als nur Ball holen auf hohem Niveau
Kurz zusammengefasst, was ist Dummytraining? Gedacht war es als Nachstellung einer Jagd für alle Retrieverrassen. Damit der Retriever auch an den jagdfreien Tagen ausgelastet werden kann. Grüne Leinensäcke mit Holzspänen (später mit Schrottplastik) wurden befüllt und zu 500 g Beuteln zusammengenäht als Ersatz für das spätere Wild im Wald. Hier im Bild siehst du Bi-Color (zweifarbige) 500 g Dummys. Das Standard-Dummy ist grün.

In der Dummyarbeit gibt drei Niveau-Klassen: A für Anfänger, F für Fortgeschrittene und O für Open (Siegerklasse). Manche Länder führen auch noch eine Schnupperklasse, aber die lasse ich in diesem Beitrag außen vor. Die Voraussetzung für das Dummytraining oder besser, was kann der Hund am Ende einer Ausbildung, um erfolgreich an einem Workingtest teilzunehmen, sehen so aus:
- Steadiness (Standruhe)
- Folgsamkeit
- Selbständiges Arbeiten
- Arbeiten im Team
- Zurückbringen der Beute
Das sind noch nicht alle Punkte, aber die wichtigsten auf einen Blick. Steadiness bedeutet, der Hund muss abwarten können, bis er geschickt wird und dabei muss er auch noch ruhig sein. Man nennt das auch die Arbeit nach dem Schuss (kommt ja aus der Jagd). Er muss folgsam sein, wenn er geschickt wird, hat er eine Aufgabe zu erfüllen. Manchmal kann er die allein lösen, aber manchmal muss er der Pfeife seines Besitzers Folge leisten (also der Besitzer gibt Signale mit der Pfeife). Je höher die Klasse, desto anspruchsvoller die Aufgaben. Und all das ist abgeleitet vom einfachen schmeiß den Ball, schick den Hund, Hund rennt hin, pickt den Ball und saust auf dem schnellsten Weg zurück zum Besitzer:in zurück, um den Ball (in dem Fall das Dummy) abzugeben. Ersetze Ball durch Dummy und du bekommst einen tollen Retrieve. (na bitte).
Jetzt klingt das einfach 5 Punkte, die der Hund erfüllen muss, aber am Ende ist das eine richtige Leistung und hier können im Aufbau viele Fehler passieren. Deshalb ist es gut:
Unbewusste Fehler im Dummytraining, bereits im Aufbau vermeiden
Fehler Nummer 1. Das ist der aller-meist-gemachte Fehler im Dummytraining.
1. Unklarheit
Unklarheit? What the f... bedeutet Unklarheit? Unklarheit übersetzt lautet: Man weiß nicht, was zu tun ist, übertragen auf das Dummytraining: Der Hund weiß nicht, was zu tun ist, bzw. was du von ihm willst. Ein einfaches Beispiel: du wirfst einem Welpen einen Ball, der bekommt weder mit, dass du geworfen hast, noch kennt er "Ball-Bring-Spiele". Für den Welpen ist nicht klar, was er zu tun hat und so wird er entweder gar nichts tun (nicht dem Ball nachlaufen, nicht picken und schon gar nicht damit zurückkommen) oder er rennt doch dem Ball hinterher und vergisst auf dem Weg zum Ball, was er eigentlich vorhat. Oft werden so tatsächlich die ersten Dummyversuche gestartet. Nicht sehr erfolgreich und auch fraglich in der Ausführung. Denn, was ist das Ergebnis und gab es ein Ziel?
Trainieren heißt: Sich ein Ergebnis vorstellen zu können. Das heißt nicht, dass es so auch eintreffen muss, aber ich als Trainer:in hatte eine Idee oder eine Vorstellung von dem, was ich da mache. Soll heißen, man weiß, was man üben wollte.
Als Auflösung zum Ballwurf, mit dem Welpen: Man hat dem Welpen den Ball geworfen und das Ergebnis ist nur eine Momentaufnahme, die es gilt abzuspeichern. War das Ergebnis zufriedenstellend, bingo. Welpen knutschen und fertig. War das Ergebnis „besorgniserregend“ (der Welpe ist mit der Beute geflüchtet) dann bingo merke dir das Ergebnis und überlege, was du beim nächsten Mal anders machen kannst , damit das Ergebnis besser wird. Den Welpen knutschen wir natürlich auch in diesem Fall.
Je öfter die Trainingseinheiten unklar für den jungen Hund sind, desto mehr wird es zu Verstimmungen im Team kommen. Das Team besteht aus einer Hundebesitzer:in und einem Hund. Unklarheit führt zu Fehlern. Fehler führen oft zu Streit und schimpfen. Schimpfen führt zu Blockade und fehlendes Vertrauen - der Hund weiß nicht, was er tun soll. Beim nächsten Kommando, (Schickbefehl) welches ihm unklar ist, bleibt er einfach gleich sitzen. Oft wird nun von einem mental weichen Hund gesprochen, ich denke, das Gegenteil kann der Fall sein, sitzen zu bleiben und einen Retrieve zu verweigern, erfordert mentale Stärke oder zeigt echte Hilflosigkeit.
Wie kann man Unklarheit im Dummytraining vermeiden? Jeder Aufbau im Training sollte erst einmal für den Hund gemäß seines Alters und seiner Erfahrung angepasst und klar sein. Dabei ist ein 12 Monate alter Hund nicht automatisch mit einem 12 Monate alten Hund zu vergleichen. Was zählt, ist der Ausbildungsstand, die Auffassungsgabe des Hundes und in jungen Jahren sogar sein Geschlecht. Trainiert man zeitnah mit einer Hündin stellt man schnellere Fortschritte fest, als mit einem gleich alten Rüden. Rüden hängen in der geistigen und körperlichen Entwicklung anfangs gerne 2-3 Monate hinter ihren weiblichen Geschwistern hinterher. Das bedeutet, dass je mehr Wissen man über das Dummytraining hat, desto besser, gerade, wenn man seinen jungen Hund selbst trainiert. Genialerweise weiß man auch eine Menge über: wie der Hund lernt, was ihn motiviert und wie man in Fehler- Situationen richtig reagiert.
Dummytraining-Aufbaufehler Nummer 2
Der erste Fehler war Unklarheit und was die Folge davon ist. Der zweite Fehler ist oft die Folge von Fehler Nummer 1.
2. Unfaires Verhalten
Gut, wer mag schon gerne unfair behandelt werden? Aber gerade im Dummytraining werden Sätze wie: "Der verarscht dich" gerne benutzt. Dabei bin ich ziemlich sicher: ein Hund kann das nicht (jedenfalls nicht so, wie wir Menschen das glauben) Ein Hund präsentiert sich gemäß seines Ausbildungsstandes und Achtung: ist dieser bis dato eintönig, waren es bis hierher immer und immer wieder dieselben Aufgaben, wird der Hund den Ablauf schnell durchschauen. Ändert nun die Trainer:in die Aufgabenstellung, wird der Hund immer noch denken (antrainiertes Verhalten) er würde den Aufgabenaufbau kennen und dementsprechend "neun-mal-klug" reagieren (man denkt, der Hund würde einen verarschen).
Am Ende passiert es: Ein Fehler wird gemacht. Auf Fehler folgt oft schimpfen und bestrafen. Bestrafen bedeutet jedoch nicht, dass der Hund nun wüsste, was er besser machen könnte oder was er falsch gemacht hat. Jedoch glaubt so manch ein Hundetrainer:in, das dem so ist. Aber ein "nein" in der Ausbildung ist nur ein Zeichen für "falsch - das nicht". Ein Beispiel: Man weist den Hund ein auf ein "memory mark" - da man in den letzten Wochen viel Stopppfiff (an der falschen Stelle) geübt hat - bleibt der Hund nach 20 m automatisch stehen und dreht sich um (erlerntes Verhalten oder verarsche?) Man brüllt nein, Hasso falsch.
Man holt den Hund zurück, und setzt ihn neu an. Wird der Hund es jetzt besser machen? Weiß der Hund nun, was der Fehler war? Dies ist ein klassischer Aufbau für Unklarheit, man schickt den Hund noch einmal auf das memory mark, der Hund weiß gerade eben hat das zu einem unguten Gefühl geführt (er wurde geschimpft und zurückgeholt). Viele junge Hunde reagieren auf diese Situation mit Blockade (er weiß nicht, was er besser machen kann), andere Hunde beginnen auszuprobieren, ob sie einen Weg finden, der ohne Schimpfen verläuft. (try and error).
Beide Situationen will man in einem Training nicht haben: weder sitzenbleiben, noch dass der Hund irgendetwas ausprobiert, denn die Frage ist doch: Was lernt der Hund wirklich? Der Sitzenbleiber lernt eventuell, dass er sich der Situation entziehen kann. Mag sein, dass es unangenehm für ihn wird, aber er wird die Situation so lange überleben, bis der Trainer:in ihm hilft. Die Folge kann sein, dass der Hund jedes Mal, wenn er unsicher ist, sitzenbleibt und abwartet, bis man ihm hilft. Der Selbsthelfer lernt, dass er ausprobieren kann, im schlimmsten Fall lernt er, dass er uns gar nicht braucht, um ans Stück zu kommen.
Beides will man nicht haben, denn beides hat nichts mit Training zu tun.
Fehler 1 und Fehler 2 bilden einen Kreislauf
Im allerschlimmsten Fall schimpft man den Hund nun fürs Sitzenbleiben (für die Blockade) das ist der Zeitpunkt, an dem man das Training abbrechen sollte, damit der Knoten nicht noch dicker wird. Einfach einen oder zwei Tage Pause machen und den eigenen Trainingsaufbau überdenken. So ein Hund ist nämlich ganz schön schlau - er kann etwas durchschauen, was viele Menschen selbst gar nicht bemerken: nämlich immer denselben Trainings-Aufbau.
Das unfaire Verhalten ist passiert, weil man (unwissender Weise) mit dem Hund über Wochen ein und denselben Aufgabenaufbau einstudiert hat und plötzlich (zum Beispiel durch andere Trainer:innen) soll der Weg zum bisherigen Erfolg nicht mehr stimmen? Aus Sicht des Hundes ist die Bestrafung nicht zu verstehen und von der Lösung ist er ohne Hilfe weiter denn je entfernt. Eine wichtige Frage im Training lautet deshalb: Was lernt der Hund wirklich?
Eine Frage, um die man nicht herumkommt: Was lernt der Hund wirklich?
Unfaires Verhalten trifft auch oft zu, wenn man einen Hund, der bereits einen ganzen Tag im Dummytraining steht und der evtl. mental nachlässt, für jeden auch noch so kleinen Fehler plötzlich rügt.
Dritter und in den Kreislauf bestens integrierbarer Fehler:
Der Kreislauf eines falschen Dummyaufbaus ist perfekt:
3. Langweiliges Training
Aber Moment! Der Retriever arbeitet nach dem Schuss! Der muss eine ganze Portion Langeweile aushalten können. Stimmt irgendwie und stimmt nicht an der Stelle. Für mich ist eine Erklärung das beste Beispiel: das, was wir sagen, wie wir es ausdrücken, ist oftmals nicht das, was wir meinen. Sprich, diese Stelle ist enorm missverständlich ausgedrückt oder misszuverstehen.
Warum Langeweile oder was ist Langeweile überhaupt? Langeweile ist die Fähigkeit, mit dem Nichtstun umgehen zu können. Beobachte mal Kinder in einem Bus oder Menschen an einer Bushaltestelle, die auf den nächsten Bus warten: haben die meisten ihr iPhone in der Hand. Oder Hand aufs Herz: wann hast du das letzte Mal auf jemanden warten müssen und bist einfach nur so dagesessen und hast gewartet? Yoga und andere Konzentrationstrainings lernen das „mit sich sein können“. Mit sich sein können muss keinesfalls langweilig sein, aber ich denke, es erklärt verständlich, um was es hier geht.
Ein Hund, der Langeweile ertragen kann, besitzt oftmals eine höhere Frusttoleranz, ist gelassener und ausgeglichener. Langeweile und Frust aushalten können, gehen Hand in Hand. Denke an einen hektischen Menschen, leicht vorstellbar, dass dieser immer gleich auf 180 ist.
Dem Hund Gelassenheit und eine Situation ertragen zu können und hinzunehmen beizubringen, ist eine Sache, ihn im Trainingsaufbau zu langweilen eine andere.
Mit Langeweile (die man nicht haben möchte) ist gemeint:
- die gleichen Aufgaben
- die gleichen Aufgaben im selben Gelände
- wenig Abwechslung
- die selben Abläufe
- gleiche Inhalte
Gekontert wird diese Aufzählung gerne mit dem Einwand, dass das Dummytraining nun mal nur aus den ca. 15 verschiedenen Bereichen besteht:
- suche (klein)
- suche (groß)
- blind
- rechts / links
- back
- voran
- memory mark
- mark
- Doppelmark
- over
- stopp
- fussgehen / walk up
- warten können
- retrieve und
- delivery
Wo soll denn bitte da Kreativität stattfinden? Hm. Die Formel für die Möglichkeiten innerhalb der Möglichkeiten liegt bei ausgerechnet, die Formel dafür lautet: n+k-1:k. Das sind abgerundet 1 Million 352000 Möglichkeiten, ohne das Gelände dabei zu berücksichtigen. Wenn ein Trainer nur 50 Möglichkeiten kennt, ist er wahrscheinlich schon gut.
Noch einmal, damit das nicht missverständlich ist. Man kann (und muss) innerhalb des Trainings sehr wohl „Langeweile“ erzeugen, einbauen und üben und es ist ein wichtiger Bestandteil von diesem, aber nicht mit einem immer gleichen Übungsaufbau- und Ablauf. Ein Beispiel. Man legt ein Dummy aus und geht mit dem jungen Hund von diesem Dummy weg. Nun steht man auf der Wiese und wartet (Langweile) man sieht dabei nicht in die Richtung des ausgelegten Dummys (Erwartungshaltungsabbau und Langeweile). Man lässt den jungen Hund sitzen, geht in eine andere Richtung, ruft ihn zu sich und wartet wieder. Dann legt man wieder ein Dummy aus und wartet.
Dieses immer wieder warten müssen zwischen den einzelnen Aktionen bedeutet Spannung aufzubauen und gleichzeitig Entspanntheit zu trainieren. Der Hund weiß nicht, was als nächstes passiert. Der Aufbau einer Erwartungshaltung, die man beim Hund nicht haben möchte, wird so entgegengewirkt.
Irgendwann entscheidet man sich den Hund zu schicken. Nun kann das Auslegen mehrerer Dummys für den Hund schon eine Herausforderung darstellen (hier kommt die Frage nach dem Trainingsstand) wenn dem nicht so ist, dann könnte das einfache Schicken auf ein beliebig ausgelegtes Dummy für den Hund eine gewohnte Sache sein, gewohnt, weil er bereits weiß, dass man ihn immer auf das erste ausgelegte Dummy schickt. Oder gewohnt, weil er weiß, dass man ihn immer auf das zuletzt ausgelegte Dummy schickt. Damit es nicht langweilig im Aufbau wird, macht man noch eine Aktion dazwischen und schickt den Hund dann auf ein bestimmtes Dummy.
Dieses Beispiel verdeutlicht, wann Langeweile im Training gut ist und wann nicht.
Zusammen ergeben diese 3 Fehler eines: Trainings-Chaos. Deshalb ist es gut sich immer wieder zu hinterfragen, ob man einen der drei Fehler macht, denn meistens sind die beiden anderen dann nicht weit entfernt.
Lust auf Trainingserfolge?
Fehler im Training zu machen, ist eine gute Sache. Denn auch oder gerade dann ist Lernen möglich. Man muss nur wissen, wie man richtig reagiert, um auch aus einem Fehler einen Dummytrainings-Erfolg zu machen.
Viel Spaß beim Training wünscht dir Claudia von keinköter.de