Hundebestattungen

Wann ist es Zeit loszulassen?

Eine Freundin sagte: "Es muss ein Plus unterm Strich bleiben."

Ein Plus unterm Strich. Genau. Doch das zwingt mich für dich den richtigen Zeitpunkt zu erwischen nicht zu früh und keinesfalls zu spät... denn sonst ist das Plus ein minus. Für den Augenblick liegst du friedlich schlafend da. Ein Schein, der trügt. Ich weiß das, wir beide wissen das. Und gerade deshalb gönne ich dir diesen Moment. Vielleicht bist du gerade einmal schmerzfrei? Dass du das lange schon nicht mehr bist, beweist mir dein Humpeln, das du tapfer bist, beweist mir dein täglicher Versuch mir immer wieder freudig entgegenzukommen, wenn ich nach Hause komme, oder auch, wenn ich nur kurz beim Müll draußen war. 

Obwohl ich das lange schon nicht mehr erwarte oder darauf hoffe. Im Gegenteil. Wie gerne würde ich dich sogar davor beschützen. Aber vielleicht ist es das Zeichen, wenn du eines Tages nicht mehr aufstehst, wenn ich die Türe öffne und du mir nicht mehr entgegenkommst - wenn ich zu dir renne und nach dir schaue, ob du noch lebst ... und du dann wild wedelnd in deinem Körbchen liegst mit der Meldung: Es geht nicht mehr. Vielleicht ist das das Zeichen, nach dem ich suche... das Plus.

 

Jeder Gedanke an Abschied schnürt mir die Kehle zu.

 

Es sind die klitzekleinen Momente - ein Aufblitzen an Wahrheit während ich mit dir soft herumalbere und mir klar wird - das hält nicht mehr ewig. Ich verdränge den Gedanken meist schnell. Die Spuren der Zeit sind deutlich zu sehen. Du bist grau geworden, deine Wangen fallen ein. Das Leuchten in deinen Augen ist einem starren Blick gewichen, deine Bewegungen sind nicht mehr rund und grazil, sondern steif und wohlüberlegt.  Ich möchte dich festhalten und überlege welche Zeit ich halten möchte ... die, die bereits vorbei ist oder die, die dir bereits Schmerzen bereitet. Schmerzen, gegen die wir machtlos sind. Für die es keine schnelle Tablette mehr gibt und auch keinen Langzeitversuch.

Meine Haltung zu dir hat sich verändert. Lange setze ich meine Kommandos nicht mehr so durch, wie einst. Du hast Freiheiten wie kein anderer - aber du nützt diese auch nicht mehr aus. Zu sehr orientierst du dich an mir, zu sehr suchst du mich auf unseren kurzen Spaziergängen.

Früher dachte ich nur mal in Momenten des absoluten Glücks an Abschied - damals konnte ich mich noch mit deiner Jugend trösten. Ein frühes Ableben kommt in meiner Planung nicht vor. Alle meine Hunde sind alt geworden. Und du wirst keine Ausnahme machen, hoffentlich. Ein bisschen denke ich, habe ich es in der Hand, dass dies wieder so ist - aber wer weiß.

Seit deiner 8 Woche bist du bei mir, bereits in einem Alter von 5 Wochen habe ich dich das erste Mal in Händen gehalten und mich für dich entschieden. Du oder keiner war mein Satz. Heute noch atme ich tief durch, dass die Züchterin  bei meinem ungewohnten Vorgehen mitgemacht hat. Und nun blicken wir auf 13 gemeinsame Jahre zurück. 

13 Jahre Tür an Tür. Nicht mit Alice, sondern mit dir. 13 Jahre Training, üben, erziehen, spielen, lachen und Angst haben... Es gibt kein Gefühl, das wir nicht zusammen erlebt hätten.

Alles war in 13 Jahren Zusammensein verpackt: Unfälle, Krankheiten, Gewinne & Pokale, Zuchtzulassung, Niederlagen, Training und zusammen wachsen. Dabei mussten wir gar nicht zusammenwachsen - wir waren es vom ersten Tag an. Ich habe dich bald "One Dog in a Lifetime" betitelt. Nichts, wofür du kämpfen musstest. Du hast diesen Titel erhalten, einfach so. Vielleicht, weil ich so unendlich glücklich mit dir war und bin.

Abschied nehmen vom HundDie gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen, schweißt zusammen und macht Abschied nehmen schwer.

Wann ist die beste Zeit?

 

Ich weiß, dass in unserer heutigen schnelllebigen Zeit vieles zu schnell ad acta gelegt wird. Ich weiß aber auch, dass viele zu lange warten. Ich habe Hunde erlebt, die konnten nicht einmal mehr selbst in die Tierarztpraxis gehen und die Besitzerin dachte nicht daran den Hund gehen zu lassen. Man hörte den Tierarzt auf sie einreden, dass es nun vorbei ist, sonst wird das nur noch eine Qual, die es ja auch schon war. Aber ich kenne den Fall auch genau anders herum... Der Hund spazierte fröhlich fidel in die Praxis....

Die beste Zeit ist, wenn die Zeit keine Qualität mehr für das Tier hat. Qualitiy time wie ich das nenne. Dabei kann Quality time auch bedeuten, dass mein Hund 10 Stunden im Garten rumliegt. Im Alter ist stehen und gehen selten Quality Time... eher rumliegen und fressen. Und dann ist das so. Aber es muss größtenteils schmerzfrei sein. Hat mein Hund nur Schmerzen beim Aufstehen, dann hat er viel Quality time wenn er liegt, dann kann man das gut abwägen. Aber hat der Hund Schmerzen beim Liegen, Gehen und Stehen wird es eng mit der guten Zeit.

Eine gute Zeit wird im Alter bemessen nach: Wie viele schmerzfreie Stunden gibt es noch?

Wenn die Zeit mit Schmerzen-haben überwiegt, dann sinkt das Plus an Lebensqualität und man muss sich fragen: Was mache ich da? Denn die Frage nach dem "kann ich es ertragen meinen Hund "gehen" zu lassen", schwingt immer ein bisschen mit. Viele können das nicht.

Ich gebe zu, ich kann es nicht ertragen, wenn Hunde leiden. Ich wäge sehr schnell, sehr fokussiert ab, ob das für den Hund noch eine gute Zeit ist. Aber ich weiß auch, dass ich mich damit schwer tue ihn mit Schmerzen zu erleben - aber genauso schwer fällt mir der Gedanken ihn loszulassen und dann wird doch noch die eine oder andere Schmerzkur ausprobiert, um das Plus im Leben anzuheben.

Welche Anzeichen können dir helfen, festzustellen, dass du dich mit dem Gedanken deinen Hund gehen zu lassen beschäftigen solltest :

  • schweres Humpeln
  • starkes Hecheln
  • krampfartiger Husten
  • frisst nicht mehr
  • unruhiges Verhalten
  • schweres Aufstehen
  • körperlicher Verfall
  • runder Rücken beim Gehen
  • schwerfälliges Gehen
  • wenig Freude Anzeichen

Diese Zeichen kommen tatsächlich geballt. Es ist also nicht so, nur weil dein Hund einmal schlecht frisst, dass er jetzt sterben muss, sondern ihm kann auch einfach nur schlecht sein - wir verstehen uns, oder?

gunsights carron

Gunsight's Carron mit 11 Jahren auf seinem letzten WT. Zwei Wochen später musste ich ihn wegen eines Milzrisses und einer Leberkrebs-Diagnose einschläfern lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war dem Hund nichts anzumerken. (c) Stefan Geyer.

Ein anderer Wert könnte die Fitness des Hundes sein. Das kommt der Frage nach den erkennbaren Zeichen und Werten näher. Ein Hund kann den ganzen Tag herumliegen und schlafen - wenn er noch einen Gang nach draußen schafft, sich alleine und von selbst löst und nicht an seiner Liegestelle, dann wäre das auch noch kein Grund den Hund gehen zu lassen. Jedoch wenn der Hund nur noch liegt und zum Lösen nicht mehr aufsteht, sondern in seinen Schlafplatz kotet (und das nicht nur einmal, sondern regelmäßig) dann sollte man anfangen mit dem Tierarzt seines Vertrauens zu sprechen.

Darüber nachdenken solltest du, wenn der Hund generell nicht mehr am sozialen Leben teilnimmt. Sprich, er liegt zum Beispiel nur noch im Garten in einer Ecke, läßt keinen anderen Hund aus dem familiären Umfeld mehr an sich ran oder auch wenn der Hund plötzlich Anfälle erleidet, die Schlaganfällen (vestibulares Syndrom) gleichen. Wenn vieles geht, was einen Hund zum Hund macht - und die Bedürfnisse des Hundes nicht mehr zu genüge gedeckt werden, ist eine Rücksprache mit dem Tierarzt sinnvoll.

Gunsight's Carron ging von einer Minute auf die andere. Der Sprung aus dem Auto hatte die Milz reißen lassen, was ich nicht gleich bemerkte. Außer einem kurzem Aua-fiepen war ihm nichts anzumerken. Doch das änderte sich über den Tag, eine Stunde später erbrach er seine Morgenmahlzeit, dann legte er sich abseits und schlief. Als er gegen Mittag nicht mehr mit raus gehen wollte, packte ich ihn ins Auto und fuhr direkt zur Klinik. Die bestätigte nach einer Schallung den Milzriß und den über die Leber und sonstigen Organe verteilten Krebs. 

Was in so einem Moment in einem vorgeht ist der Zeitraffer eines Lebens. Ein Tier wohlüberlegt "gehen" zu lassen, ist ein anderer Vorgang, als ihn ohne jegliche Vorwarnung zu verlieren - ja, verlieren. So kam es mir vor. Dabei war ich noch dankbar, denn bis zu diesem Zeitpunkt fehlte dem Hund nichts und ein Leber oder Milz-Tumor ist der "netteste" aller Tumore: er bereitet keine Schmerzen.

Sobald der Termin steht.

Bei meinem ersten Labrador stand der Termin schon. Der Tierarzt sollte zu mir nach Hause kommen. Er kam nicht und er rief auch nicht an. Ab 15.00 Uhr stand ich am Fenster und wartete auf den Wagen.  Um 15.30 Uhr war ich bereits ein nervliches Frack, bei jedem Auto das kam, dachte ich: Nun läuft die Zeit gegen uns. Um 16.00 Uhr begann ich Sekt zu trinken und ab 18.00 Uhr feierte ich mit Gomez sein Überleben.

Gegen 19.00 Uhr rief dann der Tierarzt an und erzählte etwas von einer Autopanne. Er hätte alles sagen können. Ich jedenfalls sagte den Termin ab. Ein Zeichen? 

Ich verlebte mit Gomez eine intensive letzte Woche, denn als meine Tierärztin aus dem Urlaub kam und mit mir Rücksprache hielt, stand Gomez nicht mehr auf. Er stand auch nicht auf als sie im Flur stand und so saßen wir um ihn, freuten uns um eine geschenkte Woche und um das Zeichen, dass nun wirklich die Deadline gekommen war. Gomez schlief in meinen Armen ein und ich konnte meinen ersten eigenen Labrador gehen lassen.

hund schmerzen

Sobald die ersten Anzeichen von "dein Hund könnte nun leiden" beginnen, ist es Zeit sich darüber Gedanken zu machen.

Aber so ist das wohl eher eine Ausnahme, doch die Frage neben: Wann ist der beste Zeitpunkt, ist: Wo ist der beste Ort dafür? 

Wo ist der beste Ort, um deinen Hund gehen zu lassen?

Gefühlt hätte ich vor einem Jahr noch gesagt: zu Hause. Heute weiß ich, das muß nicht sein.

Der beste Ort ist da:

  • wo die beste Behandlung ist
  • der Hund sich wohlfühlt
  • du dich wohlfühlst

 Das kann bei deinem Tierarzt sein, das kann bei dir zu Hause sein. 

Ist einschläfern lassen Mord oder eine Gnade?

Es gibt viele Systeme einen Hund gehen zu lassen. In bestimmten Kreisen ist es eine Kugel zu setzen. Manche warten, dass der Hund das Fressen einstellt und man ihn dann in den Tod durch verhungern begleiten kann und manche schläfern ein.

Die Mehrzahl. Einschläfern auch gerne als Euthanasie beim Hund bezeichnet, bedeutet dem Hund eine Spritze zu setzen, die ihn in einen tiefen Schlaf versetzt. Inhalt der Spritze ist ein Narkosemittel.  Es gibt ein Vorgehen, bei dem dem Hund anschließend eine Herzspritze gegeben wird, um dieses zum völligen Stillstand zu bringen. Diese Methode finde ich nicht so prickelnd, mir ist die Überdosierung des Narkosemittels lieber. Mein Hund bekam die Variante "Überdosierung", welches ebenfalls zum Herzstillstand führt und zwar innherhalb von nicht mehr als 5 Sekunden. 

Für mich ist die Möglichkeit der Euthanasierung eine Gnade - wenn sie genutzt wird, wofür sie da ist.

Sicher ist: Den letzten Schritt in die Hände von Fachkräften.

Ich erinnere mich, wann immer ich einen Tierarzt für meinen Hund benötige suche ich mir eine Koryphäe also den besten Tierarzt von dem ich glaube, dass der mir helfen kann. Ist der Zeitpunkt erreicht an dem ich weiß, dass ein Hund den Zenit eines schönen Lebens überschreitet, sprich ich ihn einschläfern lassen muss, dann gehe ich zu dem Tierarzt meines Vertrauens und frage nach der Vorgehensweise. Dann entscheide ich mich.

Sobald du das "wo" entschieden hast, kommt schon die nächste Frage auf dich zu das und "dann"?

Die letzte Ruhestätte.

In Deutschland darf man bis zu einer bestimmten Größe sein Tier im eigenen Garten begraben, wenn das Grundstück nicht in einem Wasser- oder Naturschutzgebiet liegt und das Grab ein bis zwei Meter von öffent­lichen Wegen entfernt ist. Das dafür gebuddelte Loch muß 80 cm tief sein und eine entsprechende Breite haben. Auf das Grab muß man schwere Steine legen, um ein Ausbuddeln durch andere Tiere zu verhindern. Als ich Gomez zu Hause begleitet habe, fuhren wir anschließend zu einer damaligen Freundin, die ländlich wohnte. Ihr Mann hatte ein richtig tiefes Loch gegraben und man hatte Kerzen den Weg hoch zum Grab aufgestellt. 

Das war einfach großartig. Auf der Fahrt zu ihr redeten wir im Wagen über die Zeit mit Gomez und wir machten uns mit ihm auf seine letzte große Reise. Wir kamen mit der Dämmerung vor Ort an und mit den Kerzen war es ein persönliches Highlight der Abschiednahme.

Ich werde das nie vergessen und versuche jedes Gehen lassen eines Hundes genauso würdevoll zu gestalten.

Neben dem Beerdigen im eigenen Garten gibt es noch verschiedene andere Möglichkeiten: Es gibt die Einzelbestattung, die Mehrfachbestattung oder du läßt den Hund bei Tierarzt zurück und zahlst für seine "Entsorgung".

Verschiedene Bestattungsfirmen haben sich auf diesen Markt spezialisiert und bieten an:

  • Einzeleinäscherung
  • Mehrfacheinäscherung
  • Erd- oder Urnenbestattung auf extra dafür ausgerichteten Friedhöfen
  • und vieles mehr

Was dann noch alles möglich ist, besprichst du besser mit einer Firma deiner Wahl. Einfach in die beliebte Suchmaschine den Begriff "Hundebestattung" eingeben. Eine prima und besondere Idee finde ich führt die Firma animaltree.de

Der Termin steht fest.

Heute ist Freitag. Der Termin für einen meiner Hunde steht fest. Seit ich den Termin in meinem Kalender festgezurrt habe, zähle ich mit: das letzte Mal rausgehen, das letzte Mal zurechtweisen, das letzte Mal knutschen, das letzte Mal Tränen in den Augen haben, weil ich weiß, dass es ihm nicht gut geht und trotzdem fühlt es sich wie ein Verrat an.

Das letzte Mal bei ihm liegen, das letzte Mal mit ihm leiden. Ich träume von unserer gemeinsamen Zeit, sehe Bilder vor mir als er ein Welpe war und frage mich: Wo sind die vielen Jahre hin?

Ich werde ihn wieder mit nach Hause bringen damit sich meine anderen Hunde von ihm verabschieden können - es wird eine Kerze brennen und ich werde Sekt trinken mit einer Menge Tränen vermischt. Dann werde ich ihn in seine Lieblingsdecke einrollen und ihm ein letztes Mal zuwinken. Irgendwann in naher Zukunft werde ich von ihm erzählen können ohne Tränen in den Augen zu haben. Aber das wird noch dauern.

Heute ist kein guter Tag, heute nehme ich Abschied. Es grüßt dich Claudia von keinkoeter

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