Reden.

Gedanken rund um den Hund

Bezahlbar? Was kostet ein Hund?

Bezahlbar? Was kostet ein Hund?

Was kostet ein Welpe oder übergreifend: Was kostet ein Hund?
 
Ich lese die Rezensionen eines Tierarztes und bin entsetzt. Die meisten der Ein-Stern Bewertungen (5 Sterne ein Highlight, 1 Stern der persönliche Untergang) sagen, dass der Tierarzt zu teuer ist und nur Geld schinden möchte.
 
Das ist harter Tobak. Für mich sind Bewertungen oder auch Rezensionen dazu da, jemanden erst einmal fachlich zu beurteilen. Das heißt, wie zufrieden war ich mit Aufklärung, Zeitmanagement, Praxisablauf und Erfolg der Behandlung. Danach weiß man, ob man sich das nächste Mal besser eine andere Koryphäe sucht, die man am Ende der Behandlung selbstverständlich auch bezahlen muss.
 
Warum und vor allem, dass das Thema: was kostet ein Hund mit Tierärzten zu tun hat erfährst du jetzt.
 

„Wie viel ein Welpe wirklich kostet, zeigt sich vorrangig an dem Beispiel, wenn man mit ihm zum Tierarzt muss.“

 
Bezahlen muss man übrigens immer, auch wenn man sich fachlich nicht auf dem besten Niveau beraten gefühlt hat – Hier spreche ich dann von: Die Tierärztin oder der Tierarzt handelte in seiner oder eben in Ihrer besten Option. 
 
Info: Man geht davon aus, dass jede:r in seinem Beruf das weitergibt, was er kann – denn hätte er oder sie eine andere Wahl gehabt, würde keine:r sich dumm oder freiwillig schlecht anstellen. Ich behaupte, es gibt ein „Glänzen wollen Gen“ in uns Menschen, das uns vor der Freiwilligkeit des beruflichen Schlecht-seins schützt.
 
Was einen guten Tierarzt oder Tierärztin ausmacht, welche Fähigkeiten diese:r besitzen sollte, habe ich bereits in meinem Blogbeitrag:  "wie-man-einen-echt-guten-tierarzt-findet" beschrieben.
 
Tierarzt Rezension mit einem Stern
So ungefähr sahen die ein Stern Rezensionen des Tierarztes aus (Abb. ähnlich)
 
In diesem Blog geht es nun um die Kosten, die ein Welpe verursacht, an die man aber nicht denkt.
 

„Wie viel ist dir die Gesundheit deines Hundes wert und was kannst du dir wirklich leisten?“

Die Antwort auf die Frage steht oft in krassem Gegensatz zueinander.
 
Fangen wir mit einem Welpen an.
 
Der Welpen-Preis:
Rassehund von einem anerkannten Züchter. (Was das nun wieder heißt, erfährst du hier: Welpenkauf und warum das teuer werden kann !) Der Preis für einen Labrador Retriever aus DRC-Zucht kostet derzeit (der Welpenpreis ist aufgrund der hohen Nachfrage zu Corona Zeiten gestiegen) im Durchschnitt 1.700,00 €.
 
Ich habe eine Züchterin kennengelernt, die verlangt für Ihre Premiumwelpen 3.600,00 €. 
 
Und das ist nur der Welpen-Preis! 
 
Ein Welpe aus einem Tierheim kostet zwischen 250,00 - 500,00 €.
Ein Welpe vom Vermehrer kostet immer zu viel.
 
Egal, woher man seinen Welpen hat, bezahlt hat man die Zeit davor und nun ist der Hund bei einem und die Kosten fangen jetzt erst richtig an.
 

Beim Welpenpreis fangen die Kosten erst an.

 
Lass mich zusammenzählen, was ein Hund unter normalen Umständen kostet und lass uns vor allem einen Blick darauf werfen, wie schnell die normalen Umstände vorbei sind.
 
Labrador Retriever Welpen vom Züchter
Welpen vom Züchter
 
Hier zähle ich die normal anfallenden Kosten für einen Labrador Rüden auf:
 
Die Futterkosten monatlich, je nachdem was man füttert:
Trockenfutter: 70,00 € 
Barfen: 120,00 €
Nassfutter: 120,00 €
 
Für ein Mindestmaß an Sicherheit fallen folgende Kosten an:
Zeckenschutz: ab April - Dezember, 9 Monate = 70,00 €  (ohne Tierarztbesuch)
Impfschutz: 57,00  € Tollwut 3-jährig, L4 50,00 € jährlich, Zwingerhusten divers 30,00 €
Wurmschutz: 15,00 € x 4 = 60,00  € (wenn man sich die Wurmkuren selbst besorgt) beim Tierarzt (hier wird der Hund vorher untersucht, man zahlt also eine Untersuchung mit): pro Wurmkur: 40,00 € x 4 = 160,00 €
 
Spiel, Spaß und Belohnung:
Leckerlis mtl. 20,00 €
Spielball ca. 4 x 15,00 €
 
Hundebetten und Decken:
ca. 200,00 - 300,00 € die günstige Ausstattung
 
Hundeleine, Geschirr und Halsband:
einmal für den Welpen und einmal bei Endgröße:
2x 80,00 - 150,00 €
 
Hundeschule oder Einzeltraining:
Hundeschule lt. Internet: Welpenpaket 270,00 €
Junghundekurs: 180,00 €
oder zusammengefasst Erziehung bis zu einem Jahr: ca. 500,00 € - 1.500,00 €
 
Versicherungen:
Hundehaftpflichtversicherung: 60,00 - 120,00 € jährlich
Hunde-OP Versicherung: 25,00 € - 50,00 € oder
Hunde-Unfallversicherung 15,00 € - 25,00€ monatlich
 
Absicherung im Auto: 
Hundebox: 400,00 € oder
Hundegurt: 120,00 €
 
Sport mit dem Hund:
Macht man wie ich den Dummysport kostet die Anschaffung von 
Dummyweste: 80,00 €
Dummys: 5 Stck. 50,00 €
Trainings pro Tag zwischen 60,00 - 100,00 €
 
Bis zu diesem Zeitpunkt fallen die oben genannten Kosten automatisch an. Außer den persönlichen Spaß mit den Dummys habe ich keine Kosten notiert, die nicht sein müssten.
 
Müssten! ist hier das richtige Wort, denn bereits an diesen Kosten wird häufig gespart:
 
  • Versicherungen
  • Impfschutz
  • Hundeschule
 
Entweder aus Unkenntnis oder weil der eigene Geldbeutel knapp bemessen ist.
 
Ich fasse die Kosten für einen Labrador Retriever ab dem Welpenkauf zusammen:
 
Anschaffungskosten: 1.700,00 €
Futter: 1.440,00 €
Belohnungen: 240,00 €
Spielball: 60,00 €
Impfungen: 175,00 € (zzgl. 57,00 € Tollwut 3 jährig)
Hundebox Auto: ca. 300,00 € (Mittelwert)
Sicherheitsgehge zu Hause anfangs: 100,00 €
Haftpflichtversicherung: 65,00 € 
Hundeschule: 500,00 €
 
Ergebnis: 4.580,00 € im ersten Jahr kostet ein Welpe, wenn er gesund ist.
 
Die Kosten steigen bei Welpen aus Vermehrer-Zuchtanlagen bis um das 7-fache, da diese Welpen oft bereits in jungen Monaten beim Tierarzt langwierige und kostenintensive Untersuchungen benötigen, um überhaupt überleben zu können. Gesundheitliche Langzeitschäden sind oft die Folge bei „falsch bzw. billig eingekauften“ Welpen.
 

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Tiere aus Massenzuchtanlagen weder sozialisiert noch gesund sind.

 
Einmalige Kosten:
Hundeschule, Sicherheitsgehe für drinnen entfallen evtl. nach dem ersten Jahr.
 
Nicht in der Rechnung, da freiwillig:
Sportliches Equipment und OP-Versicherungen 
 
Die in meinem Artikel zu Anfang genannten Rezensionen des Tierarztes, sind deshalb so ernüchternd, da aus der Sicht des Tierarztes fast alle Tiere (aus der Riege der Ein-Stern-Bewertung) bereits mit Schmerzen zu kämpfen hatten, also leiden mussten, so sein Gegenargument. Im Raum steht die Frage, ob sich jemand, der einen Tierarzt nach seinen Kosten beurteilt, diesen überhaupt leisten kann?
 
Ein Punkt, der mittlerweile in jeder Branche zieht: Dienstleistungen zu beurteilen über den Preis.
 
Wir sind in Deutschland durch Lidl, Aldi und Geiz ist Geil zu Rabattjägern geworden. Dem ist so lange nichts entgegenzusetzen, solange es nicht um Lebewesen, die unter unserer Kontrolle und unserem Wohlwollen unterstellt sind, Tiere wie Hund, Katze, Maus, Pferd, Hamster... . Wer meint, bei seinen Produkten sparen zu können, soll das tun. Aber kann man beim Gang zum Tierarzt sparen? 
 
Bereits vor dem Welpenkauf mit den Kosten rechnen.
 
Die Frage, was kostet ein Welpe, muss also von vornherein angesehen und vor dem Kauf bedacht werden. Man kann schon beim Welpen-Preis sparen – hier hilft es einen Hund aus dem Tierheim zu nehmen, was einerseits eine gute Tat ist und andererseits den Geldbeutel schont. Ein Blick auf die Webseite von TINO (https://www.tiere-in-not-odenwald.de/), zeigt schonungslos unter welchen Umständen Hunde den Weg ins Tierheim finden. Zugleich eröffnet es uns das gesamte Spektrum an Ignoranz, falsch verstandener Tierliebe und Unwissenheit von manchen Menschen.
 
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Hund nach OP aus dem Artikel wie du einen verdammt guten Tierarzt findest.
 
Zurück zu unserem Hund, der zum Beispiel aus dem Tierheim kommt. Das gesparte Geld (gegenüber einem Welpenpreis vom Züchter) kann man jetzt beiseitelegen, damit man die eines Tages kommende Tierarztrechnung begleichen kann. Nicht, weil der Hund aus dem Tierheim kommt und deshalb besonders krank wäre, im Gegenteil, sondern weil Tiere auch krank werden oder einen Unfall haben können. Jedes Tier braucht irgendwann in seinem Leben einen Tierarzt., sowie wir auch zum Arzt gehen.
 
Folgende Probleme ergeben sich in irgendeiner Form bei jedem Tier (hier Hund). Auszug aus möglichen Krankheitsbildern:
 
Gründe für einen Tierarztbesuch:
  • Milchzahn Probleme
  • Zahnprobleme
  • Zeckenbiss (Entzündung)
  • Hotspot
  • Kastration
  • Nagel gerissen
  • Verstauchungen
  • humpeln
  • Unfall
  • Mundgeruch
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Augenentzündung
  • Prostata
  • Blasenentzündung
  • Ohrenentzündung
  • Allergien
  • Futterunverträglichkeit
  • Epilepsie
  • Tumore
  • Augenverletzungen
  • Knochenerkrankungen (zuchtbedingt oder durch Unfall)
  • Atmungserkrankungen (zuchtbedingt)
  • Vergiftungserscheinungen
Das ist nur ein kleiner Auszug aus den möglichen Krankheiten, die unsere Hunde heutzutage treffen können.
 
Sie alle benötigen den Gang zum Tierarzt und kosten Geld.
 
Um einen Tierarzt nicht nach seinem Verdienst zu beurteilen, sondern nach seinem Fachwissen und seiner Leistung braucht es eine "Tierarzt-Rücklage", damit man ohne schlechten Gewissen das gesparte Geld für das kranke Tier zur Verfügung stellen kann.
 
Man nimmt an, dass Tierbesitzer:innen, deren Bankkonto gut gefüllt und deren Einkommen gesichert ist, mit diesen „überraschenden“ Kosten anders umgehen, als Familien oder Tierbesitzer:innen, die auf den Cent achten müssen. Eine einfache Rechnung.
 
Das hat nichts damit zu tun, ob man seinen Hund liebt. Liebe hat tatsächlich nichts mit dem „In der Lage sein“ für den Hund eine große Summe bereitzustellen, wenn es sein muss. Verantwortung schon und diese hat man automatisch mit dem Kauf eines Welpens oder eines Hundes mit übernommen.
 
Selbst die Frage, bis wohin man einen Hund retten soll, ist nur schwer zu beantworten. Meint retten eine geldliche Summe X in die Gesundheit des Hundes zu pumpen oder eventuell unsinnige Maßnahmen anzuwenden? Oder ist das eine kaum mehr vom anderen zu trennen?
 
Ich kenne die Geschichten von Menschen, die für ihren Hund einen geldwerten Kleinwagen investiert haben, damit dieser leben kann. Und ich kenne Menschen, die lassen den einen Hund wahrlich vermodern bis man das Veterinäramt ruft, um den Hund von den Schmerzen zu erlösen, da nie mit dem Tier zum Arzt gegangen wurde.
 
Woher diese Kluft? Ist es eine Sache von Intelligenz, rein materialistisch zu sehen, ein wenig von beiden oder ganz einfach der Satz, in unserer Welt ist alles möglich und daher nicht immer erklärbar?
 
Fest steht: Kauft man sich einen Welpen oder Hund, rechnet man mit zwei Dingen selten: Dass der Hund Probleme bereiten und dass er krank werden kann.
 
Wie sieht nun die beste Lösung für alle aus?
 
Seit einigen Jahren gibt es Krankenversicherungen für Hunde. Damit der Gang zum Tierarzt kein Spießrutenlauf wegen der Kosten wird. Es unterscheiden sich die drei Hauptversicherungen: OP Versicherung, Unfallversicherung und "One in all Versicherung" (Tierkrankenschutz) 
 
Jede Versicherung bietet einen ganz eigenen Leistungsumfang. Achte beim Abschluss also auf jeden Fall auf die Inhalte, wenn du etwas nicht verstehst, frage bei jemandem nach, der sich damit auskennt. 
 
Was du noch beachten solltest: Die Kosten in diesem Artikel sind auf einen Hund ausgelegt, mit jedem Hund multiplizieren sich diese Kosten. Bedenke das, wenn du dir einen zweiten oder fünften Hund zulegst.
 
TIPP: wer keine Krankenversicherung für den Hund abschließen möchte, sollte dringend einen Betrag X jeden Monat für den Tierarzt auf die Seite legen. Das Gute daran ist – brauchte man den Betrag am Ende nicht, hat man ihn auf dem Konto liegen und kann ihn anderweitig nutzen. Der Nachteil bis sich eine kleine Operationsversicherung privat angesammelt hat, vergehen schon ein zwei Jahre je nachdem wie viel man auf die Seite legt.
 
Hier zwei persönliche Beispiele: Arrono hat sich bei einem Spaziergang einen Schlehdorn ins Auge gerammt. OP Kosten plus Nachversorgen: 1.500,00 €
 
Boss hatte sich eine Mandel aufgeschlitzt, der Hund wäre innerlich verblutet. OP Kosten plus Nachversorgen: 1.900,00 €
 
Zwei Dinge, an die man nicht denkt und die man auch keinem wünscht, aber sie sind passiert. Seitdem habe ich für jeden Hund eine Unfallversicherung abgeschlossen und lege zudem mtl. Geld für überraschende Ausgaben beiseite.
 
Meinem Tierarzt sage ich danke für die Hilfe bei beiden OPs. Glücklich bin ich über die Kosten nicht – aber dafür kann der Tierarzt nichts, sondern dass es passiert ist.
 
Was ich damit sagen möchte: Überraschende Ausgaben ärgern jeden von uns (nicht dass man nicht schon in Sorge um den Hund ist). Dagegen hilft es umso mehr, die Kontrolle über diese Art Ausgaben zu bekommen, in dem man eine gute Entscheidung trifft und sich darauf vorbereitet.
 
Denke beim Hundekauf daran: Eine gute Entscheidung kann sein, eine Versicherung für den Hund abzuschließen – eine andere kann Geld beiseitezulegen sein.
 
Egal, wie du dich entscheidest für deinen Hund Sorge zu tragen, das Geld sollte, sobald er (oder du) es braucht für ihn bereitliegen. Nicht nur für ein schickes Halsband oder ein besonders gutes Leckerli – sondern auch für eine größere OP, wenn sie denn sein muss.
 
Denn wie du und ich nach diesem Artikel feststellen, Hunde kosten Geld. 
 
Ich gehe jetzt mein Hunde-Konto checken, damit ich, wenn es nötig ist, zum Tierarzt gehen kann, und hoffe doch, dass ich es nicht brauche, es grüßt dich Claudia von KeinKoeter.
 
 

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